Bundesamt für Naturschutz

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Naturschutzgroßprojekt Allgäuer Moorallianz

Hintergrund

Projektgebiet im Allgäu mit Blick auf die Alpen (Foto: Alfred und Ingrid Wagner)

Im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes „Allgäuer Moorallianz" sollen wertvolle Moorlebensräume im Voralpenland des Allgäus erhalten bzw. wiederhergestellt werden. Das Vorhaben zeichnet sich insbesondere durch eine beispielhafte Integration von anspruchsvollem Naturschutz und nachhaltiger Landnutzung sowie durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der beteiligten Akteure aus.

Durch die Vernetzung der Moore zu einem zusammenhängenden Biotopverbundsystem im voralpinen Hügel- und Moorland wird den hier vorkommenden gefährdeten Tier- und Pflanzenarten der Austausch zwischen den einzelnen Lebensräumen erleichtert. Der Bund leistet somit einen wichtigen Beitrag zur nationalen Biodiversitätsstrategie. Zudem dienen die Moore als Kohlenstoffspeicher und haben somit eine besondere Bedeutung für den Klimaschutz in Deutschland.

Das Projekt

Naturnaher Hochmoorkern mit Moorauge (Foto: Uwe Riecken)

Das rund 13.800 ha große Fördergebiet umfasst Teile der Landkreise Ostallgäu und Oberallgäu. Das Leitbild des Naturschutzgroßprojektes ist es, die natürliche und historisch gewachsene Vielfalt an Lebensräumen und Arten in für das Allgäu in repräsentativer Weise zu bewahren oder gemäß diesem Leitbild zu entwickeln.

Die in weiten Teilen noch unzerschnittenen Moor- und Streuwiesenlandschaft des Naturschutzgroßprojektes zählt zu den reichhaltigsten und am besten mit Mooren ausgestatteten Gebieten Deutschlands. Die Hochmoorkerne sind z. T. noch unbeeinträchtigt und weisen eine weitgehend ursprüngliche und vollständige moortypische Zonierung auf. Daher zeichnet sich das Fördergebiet durch eine bemerkenswerte Vielfalt an stark gefährdeten oder vom Aussterben bedrohten Tagfalter- und Libellenarten aus. Zu nennen sind hier z. B. der Hochmoor-Gelbling, der Hochmoor-Bläuling oder die Arktische Smaragdlibelle. Zudem kommen im Naturschutzgroßprojekt wertvolle Glazialrelikte und vom Aussterben bedrohte bzw. stark gefährdete Arten wie die Zwergbirke, die Fadenwurzelsegge oder die Heidelbeerweide vor. Hervorzuheben ist auch, dass die Kreuzotter im Fördergebiet einen bundesweiten Verbreitungsschwerpunkt hat.


Wiedervernässung eines Hochmoores (Foto: Alfred und Ingrid Wagner)

Vorrangiges Ziel des Naturschutzgroßvorhabens ist, die Moore dauerhaft zu erhalten und entwässerte Moore wieder zu renaturieren. Daneben sollen nährstoffarme Feucht- und Nasswiesen im Moorumfeld erhalten und entwickelt sowie Nährstoffeinträge in die Moore vermieden werden.

Weiterhin sollen im Rahmen des Vorhabens Fließgewässer renaturiert und die natürliche Dynamik der Fließgewässer wieder hergestellt werden. Diese Maßnahmen sollen auch zum Wasserrückhalt durch Abflussverzögerung im Fördergebiet beitragen.

Das Naturschutzgroßprojekt folgt der Philosophie möglichst natürliche, allein der eigenen Dynamik und Selbstregulation unterliegende Moore ohne Nutzung zu erhalten und zu entwickeln (Prozessschutz). Bevor die Moore sich selbst überlassen werden können, müssen die Wasserstände der teils entwässerten Moore durch ein umfassendes und differenziertes Staumanagement wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden. Der angestrebte Wasserrückhalt in der Fläche dient neben der Förderung moortypischer nässeabhängiger Arten auch der Hochwasserfürsorge und der Vermeidung von Nährstoffausträgen aus der Torfmineralisation.

Das Naturschutzgroßprojekt ist eines von fünf Gewinnern aus dem 2009 ausgetragenen Bundeswettbewerb "idee.natur - Zukunftspreis Naturschutz" in dem Projekte ausgewählt wurden, bei denen Naturschutz eng mit der einer naturschutzgerechten Regionalentwicklung verknüpft wird. Gefördert wurden u. a. die technische Ausstattung für die aufwändige Mahd der Streuwiesen, die Vermarktung des Mähgutes und die Entwicklung einer torffreien Erde für den Gartenbau. Daneben wurden touristische Angebote installiert, um die Moore erlebbar zu machen. Dieser Projektteil wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert.

Ausblick

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Bodenschonende Streuwiesenpflege mit Spezialmähraupe (Foto: Günther Riegel)