Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Auswirkungen auf marine Arten


Schweinswal (Phocoena phocoena). Foto: Katrin Wollny-Goerke
Schweinswal (Phocoena phocoena). Foto: Katrin Wollny-Goerke

Schall belastet marine Säugetiere

Eine der gravierendsten Auswirkungen des Baus der Offshore-Windenergieanlagen betrifft die marinen Säugetiere – ganz besonders die bei uns heimischen Schweinswale. Der bei der Errichtung der Fundamente entstehende Rammschall liegt deutlich über der von Wissenschaftlern ermittelten Toleranzgrenze der Tiere und kann temporäre Schwerhörigkeit (und damit massive Behinderung bei der Nahrungsfindung) oder sogar schwerwiegende Verletzungen bewirken. In größerer Entfernung, bei Rammungen ohne Schallminderung bis über 20 km, verursachen die Schallimpulse darüber hinaus Stress- und Verhaltensreaktionen, welche die Tiere oft veranlassen, fluchtartig das angestammte Gebiet zu verlassen. Zusätzlich kann der Unterwasserlärm die akustische Kommunikation der Tiere überlagern und die Orientierung und Beutefindung beeinträchtigen.

Andere heimische marine Säugetiere wie Seehunde und Kegelrobben, aber auch Fische und manche Wirbellose sind ebenfalls von dieser Schallbelastung betroffen.

Genauere Details zur Schallbelastung von marinen Arten sind im Abschnitt  Unterwasserschall zu finden.


Unterschiedliche Reaktionen von Seevögeln

Prachttaucher (Gavia arctica). Foto: Sven-Erik Arndt
Prachttaucher (Gavia arctica). Foto: Sven-Erik Arndt

Nord- und Ostsee bieten vielen Seevögeln ein Rast-, Nahrungs- und Überwinterungshabitat. Die Reaktion der Tiere auf Offshore-Windparks ist je nach Art unterschiedlich. Während einige Möwenarten von den Anlagen anscheinend angezogen werden, treten z.B. Alkenvögel und Basstölpel im bebauten Bereich seltener als vorher auf. Besonders die störempfindlichen Seetaucher (Stern- und Prachttaucher) meiden den Bereich zwischen den Turbinen dann weitestgehend und ihre Bestände erreichen erst in einer Entfernung von mehreren Kilometern vom Windpark die ursprünglichen Dichtewerte; sie erleiden somit einen Habitatverlust, der sogar sehr deutlich über die eigentliche Windparkfläche hinausgeht.

In der Deutschen Bucht wurde durch langjähriges Monitoring ein Hauptkonzentrationsgebiet der beiden Seetaucherarten im Bereich des Sylter Außenriffs identifiziert, in dem sich in jedem Frühjahr bis zu 66% des deutschen Nordseebestandes der Seetaucher sammeln. Die Zulassung von weiteren Offshore-Windparks in diesem besonderen Gebiet ist daher aus Sicht des Naturschutzes nicht vertretbar. So soll verhindert werden, dass die Windenergienutzung in der deutschen Nordsee zu einem Lebensraumverlust führt, welcher den Bestand der Populationen dieser Arten gefährden kann. Siehe auch:  Positionspapier zur Bewertung des Seetaucherhabitatverlusts

Untersuchungen zu den Auswirkungen von Offshore-Windenergieanlagen auf Seevögel wurden auch während der Bau- und Betriebsphase von alpha ventus durchgeführt. Durch regelmäßige Surveys mit Schiff oder vom Flugzeug aus wurde festgestellt, dass von den für das Testgebiet wichtigsten Vertreter der Seevögel (key species) die Vorkommen von sechs (neben den o. g. Seetauchern, Alken und Basstölpeln auch Heringsmöwen) der näher untersuchten Vogelarten nach Abschluss der Bauarbeiten niedriger waren als vor dem Bau. Diese Arten, mit Ausnahme der Heringsmöwen, meiden das Gebiet des Windparks und seiner direkten Umgebung, was für sie letztendlich zu einem dauerhaften Habitatverlust führt.


Aufwuchs durch Miesmuscheln und Seenelken an einem WEA-Fundament. Foto: Roland Krone
Aufwuchs durch Miesmuscheln und Seenelken an einem WEA-Fundament. Foto: Roland Krone
Seebull (Taurulus bubalis) an einem Windkraft-Fundament. Foto: Roland Krone
Seebull (Taurulus bubalis) an einem Windkraft-Fundament.  Foto: Roland Krone

WEA als standortfremdes Hartsubstrat

Zurzeit wird diskutiert, welchen Einfluss die Fundamente der Windenergieanlagen und ihre Kolkschutzeinrichtungen als quasi künstliche Riffe auf das Ökosystem haben könnten. Es konnten bei Untersuchungen an der Testanlage alpha ventus bedingt durch den Aufwuchs an den Gründungsstrukturen der Windkraftanlagen eine lokale Zunahme der Diversität gezeigt werden. Insbesondere in der von Weichböden und den entsprechenden benthischen, bodenbewohnenden, Lebensgemeinschaften dominierten Nordsee werden mit den Fundamenten und Kolkschutzstrukturen Ansiedlungsflächen für hartsubstratbewohnende Aufwuchsarten, die natürlicherweise an diesen Standorten gar nicht vorkommen, künstlich geschaffen. Eine Ansiedlung von in der deutschen Nordsee nicht heimischen Arten erfolgt dabei bislang aber offenbar nicht, so dass die Zunahme der Vielfalt nur lokal auftritt. Die langfristigen Auswirkungen dieser Änderung der natürlichen örtlichen Lebensgemeinschaften durch die großflächigen Windparks lassen sich bislang nicht sicher vorhersagen.

Ausscheidungen des Aufwuchses an den Gründungsstrukturen und abgestorbene Tiere und Pflanzen führen zu einem vermehrten Eintrag organischen Materials auf den umliegenden Meeresboden. Unter bestimmten Bedingungen – insbesondere in der Ostsee - kann dies vor allem an strömungsarmen Standorten zu sauerstoffzehrenden Abbauprozessen führen, die letztendlich das Absterben von ursprünglichen Lebensgemeinschaften auslösen.

Auswirkungen der Unterwasserkabel

Untersuchungen ergaben, dass die elektromagnetischen Felder, die von den ableitenden Stromkabeln der Windparks erzeugt werden, und die Wärmabgabe der Kabel im Meeresboden lebende Muscheln, Würmer sowie elektrosensitive Knorpelfische wie Haie und Rochen, aber auch wandernde Knochenfische wie Aale negativ beeinflussen können.

Weitere Informationen und eine ausführliche Studie zu diesem Thema finden Sie in der Rubrik  Seekabel und
  Netzanbindung der Offshore-Windparks.

 

Karte Windkraftprojekte in der Nordsee

Karte der Offshore-Windkraftprojekte sowie Kabelanbindungen in der deutschen Nordsee

Offshore-Windkraftprojekte in der deutschen Nordsee sowie Eignungsgebiete, Kabelan-bindungen und Natura 2000-Gebiete in der AWZ. (Stand 03.2015)

Karte Windkraftprojekte in der Ostsee

Karte der Offshore-Windkraftprojekte in der deutschen Ostsee.

Offshore-Windkraftprojekte in der deutschen Ostsee sowie Eignungsgebiete, Kabelanbindungen und Natura 2000-Gebiete in der AWZ. (Stand 03.2015)