Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Bau und Betrieb


Aufbau alpha ventus. Foto: Thomas Merck (BfN)
Aufbau alpha ventus. Foto: Thomas Merck (BfN)

Bei Realisierung der zahlreichen und zunehmend flächendeckenden Planungen für Offshore-Windparks in der deutschen AWZ sind zwangsläufig große Veränderungen der marinen Lebensräume und der vorkommenden Arten in diesem Gebiet zu erwarten. Da dies eine völlig neue Form der Nutzung der Meere ist, bringen diese gewaltigen Pläne neben den technischen Herausforderungen auch zum großen Teil noch wenig bekannte Auswirkungen auf die Natur mit sich. Beispiele hierfür sind Lebensraumverluste störungsempfindlicher Seevögel, die Störung von marinen Säugetieren und anderen Meeresorganismen durch Rammschall beim Bau der Anlagen oder das Risiko über das Meer ziehender See- und Landvögel, mit den bis über 150 m hohen Anlagen zu kollidieren.

 

Erste Ergebnisse aus bau- und betriebsbegleitenden deutschen Forschungen (hauptsächlich im Rahmen der Testanlage alpha ventus) sind bereits veröffentlicht. Insbesondere die kumulativen Wirkungen vieler Windparks (z. B. kumulative Barrierewirkung für Zugvögel) können nur schwer eingeschätzt werden und werden bisher lediglich auf Prognosen aufbauend bewertet.

Baubedingte Auswirkungen

Beim Bau der Anlagen entstehen Belastungen durch:

Lärm bei Rammung

Lärm durch Schiffsverkehr

Sedimentumlagerung / Überbauung


Einsatz einer Ramme, Foto: Klaus Betke
Einsatz einer Ramme, Foto: Klaus Betke

Die erste Bauphase der Windenergieanlagen geht in der Regel mit großen Schallemissionen bei den bislang standardmäßig eingesetzten tiefgründenden Fundamenttypen einher. Hierbei werden je nach Fundamenttyp ein Pfahl (Monopile-Gründung) bzw. bis zu 4 Pfähle (Jacket-Gründung) mit Hilfe eines Hydraulikhammers jeweils bis zu 50 Meter in den Meeresboden gerammt. Die mit der Rammung einhergehenden Schallemissionen können sich z. B. negativ auf marine Säugetiere wie den Schweinswal auswirken.

Genauere Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Rubrik Offshore-Windkraft unter:

 Auswirkungen auf marine Arten
 Unterwasserschall

und in folgendem Dokument:

 Konzept für den Schutz der Schweinswale vor Schallbelastungen bei der Errichtung von Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee (Schallschutzkonzept)

 

Die Installation der zum Teil über 1.000 Tonnen schweren Fundamente hat direkte Auswirkungen auf den umliegenden Meeresboden. Hier sind u. a. die Zerstörung und dauerhafte Überbauung benthischer Lebensgemeinschaften, ggf. von gesetzlich geschützten Biotopen zu nennen. Durch die Arbeiten am Meeresboden und die Umlagerung des Sediments entstehen Trübungsfahnen, die den für das pflanzliche Plankton nötigen Lichteinfall behindern oder filtrierende Organismen schädigen können.

Art und Umfang der Auswirkungen des Eingriffs hängen jedoch maßgeblich vom Typ des Fundaments und den ökologischen Gegebenheiten am Standort ab.

Der Transport der Bauteile und die Verlegung der benötigten Seekabel erhöhen zudem das Verkehrsaufkommen zwischen Baustelle und Festland. Nähere Informationen zur Belastung der Meeresnatur durch Schiffe siehe   Schifffahrt.


Transportschiff mit Tripod-Fundament. Foto: Trianel

Transportschiff mit Tripod-Fundament. Foto: Trianel

Anlage- und betriebsbedingte Auswirkungen

Durch die vorhandenen Anlagen und ihren Betrieb entstehen Belastungen durch:

Überbauung / standortfremde Hartsubstrate

Kollisionsrisiko und Barrierewirkung

Schiffs- und Flugverkehr

Kollisionsrisiko für Schiffe


Die Fundamente der Windenergieanlagen und die zur Absicherung ihrer Basis zum Teil sehr umfangreichen führen zu einer dauerhafte Überbauung und damit Zestörung benthischer Lebensgemeinschaften. Ferner werden die Kolkschutzmaßnahmen häufig mit Geotextilien, die ihrerseits wieder Schadstoffe entfalten bzw. zu Mikropartikeln zerfallen können, durchgeführt. Auch großflächige Steinpackungen kommen zum Einsatz, welche ein künstliches, standortfremdes Hartsubstrat mit entsprechender, ebenfalls standortfremdem Aufwuchs darstellen können.

Neben den Belastungen für die marinen Arten (siehe:
 Auswirkungen auf marine Arten) stellt sich beim Betrieb der Anlagen ein möglicherweise sehr massiver Konflikt mit einem häufig übergangenen Naturgeschehen über dem Meer heraus – dem alljährlich zweimal stattfindenden Vogelzug. Die Nord- und Ostsee liegen beide im Zentrum globaler Vogelzugstrecken. Jedes Jahr überqueren 10 bis 100 Millionen Landvögel die See, um zu ihren Brutgebieten bzw. Winterquartieren zu gelangen. Dies sind hauptsächlich Singvögel, aber auch Greife und Großvögel wie Störche und Kraniche. Einen anderen großen Teil stellen die küstenbewohnenden Wat- und Wasservögel dar. Aber auch viele Seevogelarten ziehen über unsere Meere.

Das zentrale Problem hierbei ist die Gefahr von Kollisionen der Vögel mit den sich drehenden Rotoren der Windenergieanlagen. Das Risiko ist bei Nacht und/oder schlechten Sichtverhältnissen wie bei Nebel besonders hoch. Einige Tiere werden darüber hinaus auch durch die Beleuchtung der Anlagen angelockt oder irritiert. Bei gutem Wetter ist das Kollisionsrisiko geringer, da viele Vögel dann in größerer Höhe fliegen und/oder die Anlagen eher erkennen können.

Es konnte auch nachgewiesen werden, dass Windenergieanlagen auf einige Zugvogelarten wie eine Art Barriere wirken. Viele Tiere fliegen während des Zugs einen großen Bogen um die Windparks (u. a. Enten, Gänse, Schwäne und Watvögel). Mit dem weiteren Ausbau der Windparks insbesondere innerhalb von Vogelzuglinien wächst das Risiko, dass die Vögel entweder das höhere Risiko des Passierens eines Windparks eingehen, oder zunehmend längere Wege zurücklegen müssen, was in einem größeren Energieverbrauch resultiert und so letztlich ebenfalls das Überleben und den Bruterfolg einer Art beeinflussen könnte.

Neben Zugvögeln können auch ziehende Fledermäuse von den beschriebenen Auswirkungen der Offshore-Windparks in ähnlicher Weise betroffen sein. So zeigen beispielsweise in Skandinavien durchgeführte, systematische wissenschaftliche Untersuchungen, dass bestimmte Fledermausarten im Herbst von der südschwedischen Küste aus über die Ostsee in Richtung Süden ziehen und im Frühjahr auf dem Weg nach Norden wieder an der Küste eintreffen. Für die Nordsee fehlen derartige systematische Untersuchungen bislang, dennoch werden auf Helgoland zu den Zugzeiten regelmäßig Fledermäuse registriert, die dort normalerweise nicht vorkommen und zu den weitziehenden Arten zählen.

Für die Wartungsarbeiten ist in der gesamten Betriebsphase des Windparks mit erhöhtem Helikopter- und Schiffsverkehr zu den und innerhalb der Windparks zu rechnen. Lärmbelastung und Störungen der Tierwelt können die Folge sein.

Risiko von Schiffskollisionen

Durch die großflächigen Ausmaße der Windparks und der Vielzahl ihrer Anlagen, häufig in Nähe zu sehr stark befahrenen Schifffahrtsstraßen, besteht ein permanentes Risiko, das vorbeifahrende Schiffe infolge technischer Probleme oder aufgrund menschlichen Versagens mit den Anlagen kollidieren. Solche Havarien könnten, zum Beispiel durch Austreten von Öl oder Chemikalien, weit über die Windpark-Areale hinausreichend Gebiete unserer Meere und Küsten gefährden.

 

 

Karte Windkraftprojekte in der Nordsee

Karte der Offshore-Windkraftprojekte sowie Kabelanbindungen in der deutschen Nordsee

Offshore-Windkraftprojekte in der deutschen Nordsee sowie Eignungsgebiete, Kabelan-bindungen und Natura 2000-Gebiete in der AWZ. (Stand 03.2015)

Karte Windkraftprojekte in der Ostsee

Karte der Offshore-Windkraftprojekte in der deutschen Ostsee.

Offshore-Windkraftprojekte in der deutschen Ostsee sowie Eignungsgebiete, Kabelanbindungen und Natura 2000-Gebiete in der AWZ. (Stand 03.2015)