Bundesamt für Naturschutz

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Schutz und Entwicklung von Stadtnatur


In der Stadt dienen Naturschutz und Erhalt von naturnahen Grün- und Freiraumstrukturen vor allem der Gesundheit und dem Wohlbefinden des Menschen. Beides, sowohl der Naturschutz als auch der Erhalt naturnaher Grün- und Freiraumstrukturen, schafft und erhält die Lebensqualität für uns Menschen und gestaltet gleichzeitig Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Daher muss Stadtnatur muss im Verhältnis von Natur, Mensch und Wirtschaft entwickelt werden um einen Beitrag für die nachhaltige Stadt der Zukunft zu leisten. 

Zielvorstellungen

Auf der Abbildung sitzt ein Schmetterling auf einem Strauch.

Die Zielvorstellungen und Leitbilder des Stadtnaturschutzes lehnen sich an die Ziele und Visionen der nationalen Strategie für biologische Vielfalt an, die das Bundeskabinett am 07. November 2007 unter Federführung des  BMUB beschlossen hat. Durch die Verwirklichung von rund 330 Zielen und rund 430 Maßnahmen mit einem Zeithorizont bis zum Jahr 2020 soll der Rückgang der biologischen Vielfalt aufgehalten und der Trend umgekehrt werden.

In der  Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt wird folgende Vision für urbane Landschaften formuliert: "Unsere Städte weisen eine hohe Lebensqualität für die Menschen auf und bieten vielen, auch seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Vielfältiges Grün verbessert Luftqualität und Stadtklima. Es bietet umfassend Möglichkeiten für Erholung, Spiel und Naturerleben für Jung und Alt." Wie alle Visionen der Strategie wird auch diese mit konkreten Handlungszielen und Maßnahmen untermauert (vgl. Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt, Kap. B 1.3.3).

Ziele der Nationalen Strategie für biologische Vielfalt:

  • Erhalt der Arten- und Lebensraumvielfalt
  • Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel
  • Verbesserung der Lebensqualität, Erholung und Naturerfahrung
  • Reduzierung und Qualifizierung der Flächeninanspruchnahme für Siedlung und Verkehr auf 30 Hektar pro Tag bis zum Jahr 2020 

Durchschnittliche tägliche Umwidmung von Boden in Siedlungs- und Verkehrsfläche in den Jahren 1993-2011 und Zielhorizont 2020 (Eigene Darstellung, Datengrundlage: Umweltbundesamt)
Die Abbildung zeigt den Flächenneuverbrauch in Hektar pro Tag in der BRD von 1993 bis 2011 und den Zielwert für das Jahr 2020.1993 lag der Flächenneuverbrauch bei etwa 120 Hektar pro Tag und 2011 bie etwa 70 Hektar pro Tag. Der Zielwert für das Jahr 2020

Instrumente des Stadtnaturschutzes

Spezifische Ziele und Maßnahmen im Stadtnaturschutz sind unerlässlich, um die Freiräume in Städten und Gemeinden aufzuwerten und die besonderen Anforderungen an "Natur in der Stadt" zu gewährleisten. Es gilt ausreichend Erholungs- und Naturerfahrungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig müssen im Siedlungsbereich mit ihren Grün- und Freiräumen auch die vielfältigen Lebensräume für Flora und Fauna im Sinne des  Bundesnaturschutzgesetzes gesichert und entwickelt werden. Um das zu erreichen, bestehen eine Reihe von Möglichkeiten und Instrumenten:

Räumliche Planung

Ausschnitt Landschaftsplan
Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt aus dem Leipziger Landschaftsplan.

Landschaftsplanung und Bauleitplanung sind die Planungsinstrumente, die eine nachhaltige und vorausschauende Siedlungsentwicklung gewährleisten. Moderne Planungen beziehen die Bürger von Beginn an ein, so dass diese sich aktiv an der Gestaltung ihres Wohnumfeldes beteiligen können. Die in Landschaftsplanungen erarbeiteten Leitbilder, Ziele und konkreten Maßnahmen liefern Entscheidungshilfen bei der Aufstellung und Abwägung der Bauleitpläne. Besondere Bedeutung hat dabei das Leitbild der nachhaltigen Freiraumentwicklung

Eingriffsregelung

Städte sind von baulichen Eingriffen geprägt
Die Abbildung zeigt einen stark verdichteten Stadtraum mit viel Verkehr aus der Vogelperspektive.

Die Eingriffsregelung als Instrument des Naturschutzes und der Landschaftspflege dient dazu, mit ihrem Vermeidungsgebot und entsprechenden Kompensationspflichten bei unvermeidbaren Beeinträchtigungen die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes und das Landschaftsbild zu erhalten. Die Eingriffsregelung ist auch bei der Siedlungsentwicklung im Rahmen der Bauleitplanung anzuwenden, sodass entsprechende Kompensationspflichten in diesem Zusammenhang entstehen und Kompensationsmaßnahmen erforderlich werden, um die verloren gegangenen Funktionen des Naturhaushaltes und das Landschaftsbild wieder herzustellen. Möglich wird das z. B. durch Rückbau und Entsiegelung nicht mehr benötigter Gebäude und die Neuanlage von Grünstrukturen oder Gewässerrenaturierungen.

 Eingriffsregelung auf den Seiten des BfN

Ausweisung von Schutzgebieten und Schutzobjekten

Schutzgebietstafel
Die Abbildung zeigt ein Foto mit Naturschutzgebietsschild.(Eine schwarze Eule auf gelben Fünfeck).

Dort, wo sich besonders schützenswerte Arten angesiedelt haben oder besonders schützenswerte Einzelgeschöpfe der Natur wie alte Einzelbäume bestehen, können Naturschutzgebiete, Naturdenkmale oder nach europäischem Recht auch Natura-2000-Gebiete durch die Naturschutzverwaltung ausgewiesen werden. Pflege- und Entwicklungspläne regeln hierfür die Schutzanforderungen, aber auch mögliche, dem Schutzziel entsprechende Nutzungen. Allerdings sollen auch in Schutzgebieten die Menschen nicht ausgegrenzt werden. Zu einer intelligenten, nachhaltigen und naturverträglichen Siedlungsentwicklung gehört also die umfassende Integration von Anforderungen und Zielen des Naturschutzes wie sie nicht nur das Bundesnaturschutzgesetz, sondern auch das Baugesetzbuch für den Bereich der Bauleitplanung fordert.

 Schutzgebiete auf den Seiten des BfN

Doppelte Innenentwicklung

Schema der doppelten Innenentwicklung
Die Abbildung zeigt eine schematische Darstellung der doppelten Innenentwicklung

Das Leitbild der „doppelten Innenentwicklung“  ist, die Lebensqualität in Städten und Siedlungsräumen zu erhöhen, ohne dass hierfür (längerfristig) neue Flächen in Anspruch genommen werden müssen. Dabei soll die Nutzung bestehender Flächenreserven nicht zu Lasten des Natur- und Artenschutzes gehen. Hohe Wohn- und Lebensqualität wird nicht nur durch architektonisch und maßstäblich gut gestaltete Gebäude erreicht, sondern auch durch attraktive, unterschiedlich nutzbare Freiräume in unmittelbarer Nähe. 

 Urbanes Grün in der doppelten Innenentwicklung


Zivilgesellschaftliches Engagement

Baumpflanzung mit Kindern
Die Abbildung zeigt Kinder bei einer Pflanzaktion im Rahmen der Aufforstung von Brachflächen.

Bürger können auch zu einer naturorientierten Stadt beitragen, indem sie private Höfe so wenig wie möglich versiegeln, Grünflächen und Grünelemente anlegen, Fassaden und Dächer begrünen. Auch die naturnahe Gestaltung des eigenen Gartens hilft der Stadtnatur. Das nebenbei produzierte Obst und Gemüse schmeckt gleich doppelt so gut. Auch das Engagement in Vereinen, die sich für den Naturschutz in der Stadt einsetzen, hilft unsere Städte lebenswerter zu machen und die Vielfalt an Pflanzen und Tieren zu erhalten. Darüber hinaus gibt es in den meisten Städten Bürgergärten in denen man viel über
Stadtnatur lernen und sich darüber hinaus auch selbst betätigen kann.

 Gesellschaftliche Teilhabe auf den Seiten des BfN

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Letzte Änderung: 22.09.2016

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