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Sublitorale Sandbänke


Biotoptyp "Sublitorale Sandbänke": Eine charakteristische Art ist die Scholle (Pleuronectes platessa). Foto: BfN
Biotoptyp Sublitorale Sandbänke: Eine charakteristische Art ist die Scholle (Pleuronectes platessa).

Die „sublitoralen Sandbänke“ entsprechen in der deutschen AWZ dem durch Anhang I FFH -RL geschützten Lebensraumtyp „Sandbänke mit nur schwacher ständiger Überspülung durch Meerwasser“  Code: 1110. Die europaweit gültige Definition und Beschreibung dieses Biotoptyps ist dem  Interpretation Manual (PDF, 784 KB) der Europäischen Kommission zu entnehmen (Narberhaus et al. im Druck). Im aktuellen  Monitoringhandbuch des Bund/Länder-Messprogramms sind sublitorale Sandbänke noch nicht enthalten, das entsprechende Monitoringkennblatt einschließlich einer Kartieranleitung befindet sich derzeit in der Entwicklung. Ein  Bewertungsschema für den nationalen Bericht gem. FFH -Richtlinie wurde vom Bund-Länder-AK „FFH-Berichtpflicht Meere und Küsten“ erarbeitet.

Charakteristische Merkmale

Charakteristische Merkmale von „Sandbänken mit nur schwacher ständiger Überspülung durch Meerwasser“ (EU Code 1110) in der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee:


  • diese Sandbänke sind sandige Rücken, die sich deutlich aus ihrer weiteren Umgebung heraus erheben,
  • sie müssen entsprechend der FFH -Anhang-Definition ständig mit Wasser bedeckt sein.
  • Bei ihrem Substrat überwiegen flächenhaft Sande, eingestreut können sich kiesige Gemische finden; eine Mindestmächtigkeit von 30 bis 40 cm muss vorliegen, um Lebensraum für typische Sandbodengemeinschaften zu bieten;
  • sie sind oft vegetationsfrei oder nur mit einer spärlichen Makrophytenvegetation bewachsen;
  • sie heben sich in ihren ökologischen Funktionen und Lebensgemeinschaften von der weiteren Umgebung ab.

Ergebnisse der Forschungs-arbeiten

In der AWZ von Nord- und Ostsee haben Wissenschaftler in mehreren BfN-Untersuchungen schützenswerte Sandbänke identifiziert. Besonders große Sandbänke sind die Oderbank in der Ostsee sowie die Doggerbank und die etwas kleinere Amrum-Außenbank in der Nordsee. Darüber hinaus ist der Borkum-Riffgrund ein Beispiel für eine Sandbank mit Steinfeldern oder steinig-kiesigen Arealen als riffartige Strukturen. Diese Substratvielfalt bedingt dort verschiedene Habitate mit einem entsprechend großen Artenspektrum. Wissenschaftler konnten mehrere typische Sandboden-Lebensgemeinschaften nachweisen, die sich in Abhängigkeit vom Sedimenttyp (Fein-, Mittel-, Grobsand) und der Wassertiefe entwickeln. Besonders schützenswert stellen sich Bereiche dar, bei denen verschiedene Sandtypen im Wechsel und somit verschiedene Lebensgemeinschaften nebeneinander auftreten.

Wichtige ökologische Funktionen von Sandbänken

  • Nahrungs- und Aufwachsgebiet für viele Fisch- und diverse Benthosarten
  • Nahrungshabitat für rastende und überwinternde Vögel, zum Beispiel Meeresenten (u.a. Trauerente) und Seetaucher (Pracht- und Sterntaucher)
  • Regenerations- und Rekolonisierungsreservoir für tiefer gelegene Meeresgebiete nach katastrophalen Sauerstoffmangelereignissen oder nach Eiswintern in küstennahen Flachwassergebieten
  • Trittsteinfunktionen für die Ausbreitung von Bodenorganismen in der gesamten Nordsee (zum Beispiel Doggerbank) und dadurch Vermeidung der Isolation und genetischen Verarmung von Populationen

Definition Sandbänke im EU-Manual

Die Definition des FFH -Lebensraumtyps „Sandbänke“ des aktuellen EU-Manuals finden Sie unter
 The Habitats Directive - Interpretation Manual (PDF, englisch)


Für das offene Meer einschließlich der AWZ genießen folgende fünf Biotoptypen einen gesetzlichen Schutzstatus:

 

1. Sandbänke

 2. Riffe

 3. Seegraswiesen, Makrophyten

 4. Schlickgründe

 5. Kies-, Grobsand- und Schillgründe

Karte Verbreitung von Sandbänken und Riffen in der AWZ der deutschen Nord- und Ostsee

Abb: Verbreitung von Sandbänken und Riffen in der AWZ der deutschen Nord- und Ostsee.

Verbreitung von Sandbänken und Riffen in der AWZ der deutschen Nord- und Ostsee.
(Karte: Stand 01.2012)

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