Bundesamt für Naturschutz

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Vilm im Jahresverlauf 2009

Mit gelben Birnen hänget…

„…Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt Ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.“

So dichtete Friedrich Hölderlin (1770 – 1843) einst in „Hälfte des Lebens“ (dies ist auch nur die Hälfte des Gedichts). Es ist nichts davon bekannt, dass er mal auf Vilm gewesen ist, aber das Gedicht kann einem zurzeit in den Sinn kommen, wo die letzten Früchte am Birnbaum noch hängen und gelb werden und man ab und an noch Singschwäne (Cygnus cygnus) hört, die eine längere Pause bei der Insel machen, bevor sie weiterziehen. Und auch das Wasser des Boddens hat eine eigene Stimmung in diesen nebligen, windstillen Tagen.

viele Krähen im Baum
Baumpilze am Baumstamm

Früchte des Sommers

Die Vilmer wissen es: Es gibt hier einen Obstgarten. (Die Tiere der Insel lassen immer wieder mal was fallen und so ist klar, dass sie ihn auch kennen!) Gerade jetzt sieht man dort einen sehr schönen Aspekt der biologischen Vielfalt: Es fruchtet in allen Farben! Mirabellen zum Beispiel gibt es in dunkellila, gelb und rot, schon gewusst?

Über ein Projekt zur Wiederherstellung des alten Vilmer Küchengartens mit seltenen, vom Aussterben bedrohten Apfelsorten, die ehemals in der Region weit verbreitet waren, sind etwa 20 Setzlinge gepflanzt worden. Noch sind die Äpfel nicht reif, aber man kann schon erkennen, dass es viele verschiedene Sorten sind. Diese alten Sorten sind nicht mehr so gebräuchlich, weil sie mit den modernen Formen des Apfelanbaus, der Verarbeitung und der Vermarktung nicht vereinbar sind und entsprechende Normen nicht einhalten. Oftmals haben solche Sorten Eigenschaften, die die wenigen, die man im Laden bekommt, nicht haben. Das kann ein besonders hoher oder niedriger Säuregehalt sein, frühe oder späte Reifung – oder eine größere Widerstandskraft gegen Schädlinge, die vielleicht in der Zukunft die weitläufig angebauten Sorten befallen. Es kann auch sein, dass manche von ihnen besser an die Folgen der Erderwärmung hierzulande angepasst sind. Deswegen ist es eine gute Idee, diese Sorten zu erhalten. Wer weiß, wozu sie noch gut sein werden? Und gut schmecken werden sie bestimmt auch – hoffentlich reifen sie bald.

 

Zweig vom Apfelbaum mit roten Äpfeln
Zweig vom Apfelbaum mit rötlichen Äpfeln
Zweig vom Apfelbaum mit rötlichen Äpfeln
Zweig vom Apfelbaum mit grünlichen Äpfeln

Frühling, Bräute und das Ovoo

Die Jahreszeit des Neubeginns hat sich diesmal lange angepirscht und war dann plötzlich voll da. Vorbei ist die Zeit des Wartens auf die ersten Blätter, die Zeit, in der der Wald einen dicken, grünen, geblümten Teppich und durchsichtige Baumwände hatte. Jetzt sind die Kirsch-, Apfel-, Birnbäume und Mirabellensträucher voll mit weißen Blüten und stehen in der frischen, grünen Landschaft wie geschmückte Bräute. Regen sollte es aber bald geben, sonst haben diese vielen Blüten nur wenig Nektar und die Vilmer Bienen besuchen sie dann nicht – in diesem Fall gäbe es dieses Jahr nicht so viele Früchte und Honig… (Dieser Honig wird sehr gerne von unseren Tagungsgästen gekauft!)

Buchenwald mit blühendem Anemonenteppich auf Vilm
blüchender Kirschbaum auf Vilm

ein neuer Ovoo auf Vilm

Neues hat im Frühling auch eine deutsch-mongolische Tagung gebracht: Ein Ovoo. Wenn man in der Mongolei reist, stehen diese Steinhaufen mit einem Stock, an dem blaue Schals geknotet werden, an Bergpässen und besonderen Orten. Wenn man daran vorbeikommt, steigt man vom Pferd ab (oder aus dem Auto), nimmt einen Stein, geht drei Mal (im Uhrzeigersinn!) um das Ovoo, legt den Stein darauf und wünscht etwas Gutes. Das kann man jetzt auch auf Vilm tun!

P.S. zum Wintertext: Es hat nicht!


Wird es oder wird es nicht?

...Zufrieren?

Jeden Winter seit Bestehen der Außenstelle des BfN auf Vilm friert das Wasser des Boddens zwischen den Inseln Rügen und Vilm zu. Jeden Winter – außer in den letzten zwei Jahren! Daher die große Frage, was diesen Winter passiert.

Vilm liegt im Greifswalder Bodden, ein sehr flacher Bereich der Ostsee, wo die Meeresströmung schwach ist. Dadurch kann es leicht zufrieren. Kleinere Eisschollen, knirschendes Eiswasser und eine dünne, knisternde Eisschicht hat es schon gegeben, aber wird es oder wird es nicht? ...

Für Mensch und Tier auf Vilm hat das Zufrieren Auswirkungen. Die Menschen könnten dann nicht mehr mit der normalen Fähre übersetzen, sondern müssten den „Eisbrecher“ nehmen (siehe frühere Winterberichte aus Vilm). Für die Tiere ergäbe sich (nach zwei Jahren!) wieder ein begehbarer Weg nach Rügen – für manche vielleicht eine willkommene Gelegenheit zu einem Besuch von Artgenossen, einer Partnersuche oder einem Umzug.

 

Viele Vögel im Eisfreien Bereich vor Vilm

Gefrorene Landschaft vor Vilm
Eis und Schnee vor Vilm