Bundesamt für Naturschutz

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Flussauen und Uferbereiche als Bestandteil der Wasserkörper


Uferbereiche von Oberflächengewässern sind insoweit Bestandteil der Wasserkörper nach WRRL, wie ihre Struktur und ihr Zustand für das Erreichen der WRRL-Ziele im aquatischen Teil des Wasserkörpers unmittelbar von Bedeutung sind.

In Anerkennung dieser ökologischen Zusammenhänge können die Wiederherstellung oder die funktionale Verbesserung von Uferbereichen und Feuchtgebieten sowohl Gegenstand grundlegender Maßnahmen nach Art. 11 Abs. 3 i) als auch ergänzender Maßnahmen nach Art. 11 Abs. 4 WRRL sein. In Anhang VI Teil B WRRL ist die Neuschaffung und Wiederherstellung von Feuchtgebieten als mögliche ergänzende Maßnahme ausdrücklich genannt. Dazu kann auch die Wiederherstellung von Überschwemmungsflächen in Auen gezählt werden.

Für den Umsetzungsprozess der WRRL ergeben sich hieraus folgende Empfehlungen:

  1. Einbeziehung von Flussauen in die Oberflächenwasserkörper:
    In Deutschland werden Wasserkörper in der Regel als lineare Elemente abgegrenzt, ohne dass Aussagen über ihre laterale Ausdehnung gemacht werden. Da die Gewässertypen aufgrund der im Referenzzustand engen ökologischen Wechselbeziehungen grundsätzlich die Gesamtheit von Hauptgewässer, Auengewässern und Auenflächen umfassen, lässt sich der Grad der Abweichung eines Wasserkörpers von dem jeweiligen Gewässertyp nur ermitteln und bewerten, wenn auch bei der Beschreibung der Referenzbedingungen und bei der Bestandsaufnahme der Qualitätskomponenten die Gesamtheit von Hauptgewässer, Auengewässern und Auenflächen erfasst und in die Bewertung einbezogen wird.
  2. Abstimmung naturschutzfachlicher und wasserwirtschaftlicher Referenzzustände und Entwicklungsziele:
    Die gemäß WRRL typspezifisch zu beschreibenden Referenzzustände stellen auch eine wichtige Grundlage für Ziele dar, die in naturschutzfachliche Leitbilder für Flussauen mit integriert werden können. Sie sollten deshalb von Naturschutzseite aktiv aufgegriffen und zur Untersetzung eigener Argumentationen genutzt werden. Die auf Grundlage der Referenzzustände von der Wasserwirtschaft zu bestimmenden Entwicklungsziele sollten frühzeitig mit naturschutzfachlichen Leitbildern abgestimmt werden, um mögliche Zielkonflikte im Vorfeld zu vermeiden.
  3. Erarbeitung ergänzender Maßnahmen zur Optimierung von Flussauen:
    Die Zielvorgaben der WRRL beziehen sich vor allem auf die Gewässer selbst und auf den Standortfaktor Wasser in terrestrischen Ökosystemen. Weiter gehende Zielaussagen über terres‑tri‑sche Standorte und Vegetation lassen sich nur in Einzelfällen ableiten. Zur Umsetzung der gesetzlichen Zielvorgaben, insbesondere in Natura 2000- u.a. Schutzgebieten, müssen von Naturschutzseite deshalb in Abstimmung mit den wasserwirtschaftlichen Konzepten zusätzliche bzw. weitergehende Ziele für die Auen entwickelt werden, insbesondere für die terrestrischen Standorte, die Vegetation der Auen, die Standortbedingungen, die zur Etablierung einer Auenvegetation erforderlich sind und für die Vernetzung der terrestrischen Auenbiotope.
  4. Ergänzung und Aufstellung von Programmen zum Auenschutz:
    Spezielle Programme zum Auenschutz bieten die Möglichkeit, verschiedene Erfordernisse und Zielstellungen zum Auenschutz flexibel zu integrieren. Sie können die Aufnahme auenbezogener Maßnahmen in die Maßnahmenprogramme nach WRRL vorbereiten und erleichtern, insbesondere wenn sie gemeinsam von den zuständigen Fachbehörden für Naturschutz und Wasserwirtschaft aufgestellt werden. Auf Grundlage von Auenprogrammen können naturschutzfachlich begründete Vorranggebiete zur Durchführung auenbezogener Maßnahmen ausgewiesen werden, die auch geeignet wären, das Erreichen der Umweltziele nach WRRL zu unterstützen. Nicht zuletzt kann mit Auenprogrammen auch dafür „geworben“ werden, auenbezogene Maßnahmen zur Verbesserung der hydromorphologischen Bedingungen zum Erreichen der Umweltziele zu nutzen.
  5. Landschaftsplanung als unterstützendes Instrument zur Umsetzung von auenbezogenen  Maßnahmen nach WRRL:
    Die Landschaftsplanung weist als flächendeckende Fachplanung umfangreiche inhaltliche Überschneidungen mit den raumbezogenen Aufgaben der Wasserwirtschaft auf, die sich aus der WRRL ergeben. Damit ist die Landschaftsplanung in der Lage, wesentliche, aus der WRRL ableitbare Anforderungen an die räumliche Planung aufzugreifen, in ein gesamträumliches, naturschutzbezogenes Entwicklungskonzept zu integrieren und die Umsetzung wasserbezogener Maßnahmen nach WRRL zu befördern. Umgekehrt können auch Ziele und Maßnahmen der Landschaftsplanung so transportiert werden, dass sie in die Maßnahmenprogramme nach WRRL Eingang finden können. Maßnahmen, die dem Erreichen der Umweltziele nach WRRL dienen können, sollten in den Landschaftsplänen entsprechend gekennzeichnet werden. Für ihre konsistente Ableitung und Begründung sollte bereits auf Ebene der Bestandsanalyse auf Methoden und Daten der Belastungsanalyse nach WRRL zurückgegriffen werden. Im Rahmen einer möglichen „Modularisierung“ der Landschaftsplanung böte sich die gezielte Erarbeitung entsprechender wasserbezogener Module an.

Letzte Änderung: 28.07.2009

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