Bundesamt für Naturschutz

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Rote Liste gefährdeter Pflanzengesellschaften

Die Rote Liste der Pflanzengesellschaften Deutschlands (RENNWALD 2000) wurde auf Grundlage des Gesamtverzeichnisses der in Deutschland vorkommenden Pflanzengesellschaften erstellt, das 788 Assoziationen bzw. Gesell­schaften umfasst. In dieser Roten Liste sind sämtliche Gesellschaften einschließlich der nicht gefährdeten aufgeführt.

Aktuelle Gefährdungssituation

Die Pflanzengesellschaften wurden von den Experten in die Gefährdungskategorien eingestuft.

Unter Berücksichtigung der Gefährdungskategorien 0 bis G (verschwunden oder verschollen bis Gefährdung anzunehmen) sind etwa die Hälfte aller Pflanzengesellschaften in Deutschland als gefährdet zu bewerten.

Als bundesweit verschwunden oder verschollen (Kategorie 0) gelten zwei Gesellschaften: die Leinlolch-Gesellschaft und die Zwergrohrkolben-Gesellschaft. Dabei handelt es sich um eine Wildkrautvegetation der früher verbreiteten Leinackerkultur und um eine Ufergesellschaft, die fehlender Flussdynamik zum Opfer fiel. Vom Verschwinden bedroht (Kategorie 1) sind vor allem auf Umwelteinflüsse empfindlich reagierende Wasser-, Moor- und Rasengesellschaften wie einige Armleuchteralgengesellschaften, Drahtseggen-Schwingrasen oder Knollendistel-Pfeifengras-Rasen.

Im Tiefland (insgesamt 577 Gesellschaften) und im Hügel- und Bergland (mit 653 Gesellschaften) sind ca. 50 % aller vorkommenden Gesellschaften aktuell gefährdet (Kategorien 1, 2, 3 und G). In den Alpen (mit 231 Gesellschaften) liegt der Anteil der gefährdeten Gesellschaften nur etwa halb so hoch; ungefährdet sind dort vor allem natürliche Offenlandgesellschaften, z. B. Blaugras- und Rostseggen-Rasen.

Einen Überblick über die Gefährdungssituation der Pflanzengesellschaften in Deutschland sowie in den einzelnen Teilregionen gibt die  Anzahl der Pflanzengesellschaften, pdf-Datei.

In allen Regionen wurden weniger als 1 % der Gesellschaften als verschwunden oder verschollen (Kategorie 0) eingestuft. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass wegen fehlender älterer Vegetationsaufnahmen für verschiedene Gesellschaften ein früheres Vorkommen zwar vermutet, aber nicht belegt werden kann. Einige dieser Gesellschaften, die möglicherweise der Kategorie 0 zugeordnet werden müssten, wurden daher in die Kategorie D (Daten ungenügend) gestellt.

Viele weiter verbreitete Gesellschaften wie die Pfeifengras-Wiese oder die Rasenbinsen-Hochmoorgesellschaft, die stark gefährdet sind (Kategorie 2), kommen im Tiefland nur punktuell vor. Werden dort Gefährdungsfaktoren wirksam, kann dies ein vollständiges Verschwinden der betroffenen Gesellschaften in dieser Region zur Folge haben (Einordnung im Tiefland in die Kategorie 1).

Erwartungsgemäß sind in der Kategorie R (Extrem selten) die Pflanzengesellschaften der Alpen besonders stark vertreten. Dies gilt insbesondere für Hochlagen-Gesellschaften auf sauren Ausgangsgesteinen, die in Deutschland naturgemäß nur auf sehr kleiner Fläche vorkommen.

Bundesweit sind 30 Gesellschaften aktuell zwar nicht bedroht, haben aber doch so kleine Vorkommen, dass vorsorgliche Schutzmaßnahmen notwendig erscheinen und vielfach auch bereits schon erfolgreich durchgeführt wurden.

Immerhin kann noch ca. jede dritte Pflanzengesellschaft in Deutschland als ungefährdet (Kategorie Ö) gelten. In den Alpen ist es fast jede zweite; hier ist jedoch der Anteil der Gesellschaften, für die nur eine ungenügende Datenlage vorliegt, besonders hoch.

Letzte Änderung: 02.01.2006

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