Bundesamt für Naturschutz

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Ergebnisse zum Wert von Natur und Landschaft


Es liegen inzwischen zahlreiche Untersuchungsergebnisse über den ökonomischen Wert von Natur vor, die sich sowohl auf Gebrauchswerte als auch auf Nicht-Gebrauchswerte von Biodiversität und Ökosystemleistungen beziehen. Zahlenmäßig vorherrschend sind Zahlungsbereitschaftsanalysen. Zunehmend werden jedoch auch andere Analysemethoden verwendet.

Bewertung von Nicht-Gebrauchswerten und Ergebnisse von Zahlungsbereitschaftsanalysen

Die meisten in Deutschland durchgeführten Zahlungsbereitschaftsanalysen beziehen sich auf Naturschutz und auf Erholungs- und Freizeitaktivitäten. Bei Zahlungsbereitschaftsanalysen wird durch Befragung ermittelt, was der Einzelne für Naturschutz oder Naturschutzprogramme oder für eine Freizeitaktivität maximal zu zahlen bereit ist (z. B. im Rahmen einer allgemein verbindlichen Landschaftspflegeabgabe). Befragt werden Gäste oder die Wohnbevölkerung des relevanten Gebietes.

Tabelle 1 gibt einen Überblick über die Ergebnisse von Zahlungsbereitschaftsanalysen zu Naturschutz und Naturschutzprogrammen. Befragt wurde jeweils die Wohnbevölkerung (Quelle: ergänzt nach "Daten zur Natur 2008").


Tab. 1: Zahlungsbereitschaften für räumlich und sachlich unterschiedlich umfassende Naturschutzziele (Daten zur Natur 2008)
Thema € pro Haushalt und Monat
Ökologischer Waldumbau im Solling und Harz
(Meyerhoff, Hartje, Zerbe 2006)
0,58
Schutz der biologischen Vielfalt durch Auenrenaturierung an Elbe (bzw. Rhein / Weser)
(Meyerhoff 2002)
0,42 - 1,23
Grünlandextensivierung und Landschaftspflegemaßnahmen in Erlbach/Vogtland
(Degenhardt et al. 1998)
1,14
Grünlandextens. und Gewässerrandstreifen in Wangen/Allgäu (kleines Programm)
(Degenhardt et al. 1998)
1,60
Erhaltung des Hellen Ameisenbläulings auf 64 ha Flächen in Landau / Pfalz
(Lienhoop et al. 2008)
1,80
Erhaltung des Biosphärenreservats Schorfheide Chorin
(Rommel 1998)
2,16
Grünlandextens. und Gewässerrandstreifen in Wangen Allgäu (umfangreiches Programm)
(Degenhardt et al. 1998)
2,72
Artenschutz im Allgäu und Kraichgau
(Jung 1996)
4,26
Erhaltung der Artenvielfalt im Lahn-Dill-Bergland
(Müller et al. 2001)
5,86
Landschaftspflege im Emsland und Werra-Meißner-Kreis
(Zimmer 1994)
7,16
Arten- und Biotopschutzprogramm für Berlin/West
(Schweppe-Kraft et al. 1989)
7,20
15% der Landesfläche Schleswig-Holsteins für Naturschutz
(Alvensleben & Schleyerbach 1994)
8,18
Verhinderung des Artensterbens in Deutschland
(Holm-Müller et al. 1991)
8,24
Landschaftspflege im Lahn-Dill-Bergland
(Corell 1994)
8,76
Arten- und Naturschutz in Deutschland
(Hampicke et al. 1991)
10,23
Landschaftspflege in der Lüneburger Heide
(Cordes 1994)
13,19
zu den  Literaturverweisen

Die Untersuchungen von  Hampicke et al. (1991) und  Holm-Müller et al. (1991) ergeben durchschnittliche Zahlungsbereitschaften zur Erhaltung der Artenvielfalt in Deutschland von ca. 99 – 123 € pro Haushalt und Jahr. Dies entspricht bezogen auf ganz Deutschland einer Summe von jährlich 3,9 – 4,8 Mrd. €; einem Betrag, der die derzeitigen Ausgaben für Naturschutz um ein Vielfaches übersteigt. Laufende Untersuchungen zeigen, dass die aktuellen Zahlungsbereitschaften den damaligen Werten inflationsbereinigt entsprechen und sogar noch darüber liegen. Die ermittelten Zahlungsbereitschaften würden ausreichen, um damit auch über die faktischen Ausgaben hinausgehende ambitioniertere Vorschläge und Berechnungen für Programme zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland ( Hampicke 2009, Schweppe-Kraft 2009) zu finanzieren.

Da die Verlässlichkeit von Zahlungsbereitschaftsanalysen insbesondere außerhalb der ökonomischen Wissenschaft zum Teil in Frage gestellt wird, liegt es nahe, die oben genannten Werte mit Ergebnissen alternativer Bewertungsmethoden zu vergleichen. Öffentliche Güter, für die kein Preis existiert, werden in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in der Regel nicht nach ihrem subjektiven Nutzen bewertet, sondern gehen in Höhe ihrer Erstellungskosten (in der Regel Staatsausgaben) in das Bruttoinlandsprodukt ein. Sieht man die biologische Vielfalt als ein Kapital an, so wäre es naheliegend, dieses Kapital aufgrund mangelnder Preise wie entsprechende Kapitalien ebenfalls zu den Kosten der Erstellung in der Kapitalrechnung zu bilanzieren. Dies wurde für alle natürlichen und naturnahen Biotope auf ca. 10 % der Gesamtfläche Deutschlands durchgeführt, die nach Einschätzung von Naturschutzexperten zur Sicherung des derzeitigen Bestands an biologischer Vielfalt in Deutschland unbedingt erforderlich sind. Das Ergebnis war ein Kapitalwert von 740 Mrd. € ( Schweppe-Kraft 2009a). In diesem Wert wurden auch für Ökosysteme typische Entwicklungszeiten nach gängigen ökonomischen Methoden berücksichtigt. Eine Kapitalisierung der o.g. Zahlungsbereitschaften mit 3 % ergibt einen Wert von lediglich 48 Mrd. € und liegt damit noch deutlich unter der alternativen Berechnung mit Wiederherstellungskosten.

Im Bereich der Erholungsbewertung waren die Bewertungsobjekte attraktive Landschaften, wie etwa die Lüneburger Heide, häufig zur Erholung aufgesuchte Lebensraumtypen wie Wälder und bestimmte Erholungsaktivitäten, wie das Angeln oder Baden.

Bewertung von Gebrauchswerten

Im Gegensatz zu den zahlreichen stated preference-basierten Studien, die der Erhebung von Nicht-Gebrauchswerten (non-use-values) und Erholungswerten dienen, liegen über die Höhe weiterer Ökosystemleistungen für Deutschland bisher nur Untersuchungen zu einzelnen Fallbeispielen vor. Beispielhaft seien hier folgende Ergebnisse genannt:

 Grossmann et al. (2010) berechnen für 35.000 ha Deichrückverlegung und Auenrenaturierung an der Elbe einen Nettobarwert von 1.182 Mio. €. Davon ergeben sich 159 Mio. € durch vermiedene Hochwasserschäden und 486 Mio. €, durch die Reduzierung der Nährstoffbelastung der Elbe, letztere berechnet auf der Grundlage von Alternativkosten, um durch Auflagen in der Landwirtschaft eine äquivalente Reduzierung der Nährstoffbelastung des Gewässers zu erreichen. Der restliche Wert setzt sich zusammen aus Einsparungen bei der Deicherhaltung von 177 Mio. € und den Maßnahmekosten einschließlich Verlust landwirtschaftlicher Einkommen von 566 Mio. €.

Ehemalige Moorflächen emittieren bei Trockenlegung und intensiver landwirtschaftlicher Nutzung erhebliche Mengen von Kohlendioxid. Moorschutz und Moorrenaturierung in Mecklenburg Vorpommern auf fast 30.000 ha Fläche in der Zeit von 2000 bis 2008 führte nach  Schäfer (2010) zu einem volkswirtschaftlichen Nutzen in Form vermiedener Treibhausgasemissionen und damit verbundener vermiedener Schäden durch den Klimawandel im Wert von fast 30 Mio. € jährlich. Die Wissenschaftler erwarten einen Nutzen von über 70 Mio. € pro Jahr in den Jahren 2009–2020 bei einer Ausweitung auf 70.000 ha. Ein solcher Nutzen kann mithilfe von Moorschutz bzw. nachhaltiger und standortgerechter Nutzung von Mooren sehr kostengünstig realisiert werden. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis liegt günstiger als bei technischen Maßnahmen (z. B. Wärmedämmung).

Nach Kalkulationen von  Matzdorf et al. (2010) kommt es bei einem Umbruch von artenreichem Grünland zu Ackerland (z. B. Maisacker) je nach Standort zu klimaschädlichen Emissionen, die umgerechnet in Schadenskosten (Kostensatz: 70 € pro t CO2) einem Wert von ca. 285 und 1.541 €/ha/Jahr entsprechen. Weiterhin treten bei Ackernutzung erhöhte Nährstoffemissionen auf, die zu Belastungen im Bereich Grund- und Oberflächengewässer führen, zu deren Verhinderung im Rahmen der ackerbaulichen Nutzung ca. 40 bis 120 €/ha/Jahr aufgebracht werden müssten. Zu den positiven Ökosystemleistungen von artenreichem Grünland im Bereich Treibhausgasminderung und Gewässerschutz lässt sich zusätzlich noch eine Zahlungsbereitschaft für artenreiche Lebensräume hinzurechnen, die auf Basis einer laufenden Untersuchung des BfN mit durchschnittlich 1.000 €/ha/Jahr beziffert werden kann. Die Produktionsleistungen artenreichen Grünlandes sind im Vergleich zu Acker geringer. Hier kann man eine negative Differenz von bis zu 435 €/ha/Jahr veranschlagen. Berücksichtigt man alle genannten Effekte, so beläuft sich der Nettowert des Erhalts von HNV-Grünland im Vergleich zu Grünlandumbruch rechnerisch auf 890–2.661 €/ha/Jahr.

Detaillierte Untersuchungen zur ökonomischen Bedeutung der verschiedenen Ökosystemleistungen von Stadtgrün (Erholung, Ästhetik, Luftreinhaltung, Klimaregulation, Wasserhaushalt) liegen im Einzelnen für Deutschland noch nicht vor. Bekannt sind aber die Wirkungen von Grünflächen auf die Immobilienpreise. An diesen Wirkungen lässt sich zumindest ablesen, was der Bevölkerung ein Mehr an Stadtgrün in ihrer Wohnumgebung an zusätzlichen Miet- oder Kaufpreisen wert ist. Die Wirkungen sind beträchtlich. In deutschen Städten mit einem mittleren Bodenrichtwertniveau sind Grundstücke, die nicht mehr als 500 m von einer Parkanlage entfernt liegen, nach einer Untersuchung von  Hoffmann & Gruehn (2010) im Mittel um 45 €/m2 teurer als Grundstücke mit einer weiteren Entfernung von Parks. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die Summe aller untersuchten Grünfaktoren (Parkanlagen, Straßenbäume, Gärten und Vorgärten, Schmuckflächen) in dicht besiedelten Stadtbezirken sogar 36,7 % des Grundstückswerts ausmachen.

Weitere Informationen

Publikation "Naturkapital Deutschland - TEEB DE (2012): Der Wert der Natur für Wirtschaft und Gesellschaft - Eine Einführung"

Naturkapital Deutschland - TEEB DE (2012): Der Wert der Natur für Wirtschaft und Gesellschaft -  Eine Einführung.

 



Publikation "Daten zur Natur 2012"

BfN (Hrsg.) (2012):  Daten zur Natur 2012.

 



Publikation "Beitrag ausgewählter Schutzgebiete zum Klimaschutz und dessen

Drösler, M. et al. (Bearb.) (2012):
Beitrag ausgewählter Schutzgebiete zum Klimaschutz und dessen monetäre Bewertung.
 BfN-Skripten 328



Publikation "Ökonomische Bewertung naturverträglicher Hochwasservorsorge an der Elbe"

Grossmann, M., Hartje, V. und Meyerhoff, J. (2010):
 Ökonomische Bewertung naturverträglicher Hochwasservorsorge an der Elbe



Publikation "Ökosystemdienstleistungen von HNV-Grünland"

Matzdorf, B., Reutter, M. und Hübner, C. (2010):
 Bewertung der Ökosystemdienstleistungen von HNV-Grünland



Publikation "Ecosystem Services of Natural and Semi-Natural Ecosystems and Ecologically Sound Land Use." BfN-Skripten 237.

Schweppe-Kraft, B. (Ed.) (2007):
Ecosystem Services of Natural and Semi-Natural Ecosystems and Ecologically Sound Land Use.
 BfN-Skripten 237

 


Letzte Änderung: 12.02.2014

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