Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Natura 2000 und Wildnis

Wildnis und Prozessschutz

In Deutschland gibt es fast keine naturbelassenen, vom Menschen unbeeinflussten Gebiete mehr. Ursprüngliche Wildnis ist heutzutage auf unzugängliche Hochlagen der Alpen und einige Bereiche des Wattenmeeres beschränkt, die zu großen Teilen als FFH - bzw. Vogelschutzgebiete gemeldet wurden und somit in das Schutzgebietsnetz Natura 2000 integriert sind.

Die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt (NBS) strebt an, bis zum Jahr 2020 Gebiete in lebensraumspezifisch ausreichender Größe zu schaffen, die der natürlichen Entwicklung überlassen und in den länderübergreifenden Biotopverbund integriert werden. Der in diesen Gebieten gewährleistete Prozessschutz hat einen möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge und ihrer natürlichen Dynamik zum Ziel. Auf mindestens 2 % der Landfläche Deutschlands soll sich 2020 die Natur wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entfalten. Im Rahmen eines Expertenworkshops wurde 2012 eine  Begriffsdefinition für Wildnisgebiete im Sinne der NBS entwicklelt.

Solche Wildnisgebiete sollten in der Regel größer als 1.000 ha und weitgehend unzerschnitten sein. Wenn sie sich nicht bereits in einem vom Menschen wenig beeinflussten Zustand befinden, so muss eine vom Menschen weitgehend unbeeinflusste Entwicklung gesichert sein bzw. werden. Die Nationalparke Deutschlands sind zumindest in ihren Kernzonen als Wildnisgebiete bzw. Wildnisentwicklungsgebiete einzustufen. Weitere geeignete Flächen finden sich beispielsweise in Bergbaufolgelandschaften, auf ehemaligen Truppenübungsplätzen, an Fließgewässern, an den Meeresküsten, in Mooren und im Hochgebirge.

Darüber hinaus gibt es geschützte Waldgebiete, die der ungestörten Entwicklung überlassen werden. Dort findet keine forstliche Bewirtschaftung statt, anfallendes Holz darf nicht entnommen werden. Nach der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt soll im Jahr 2020 der Flächenanteil der Wälder mit natürlicher Waldentwicklung 5 % betragen.

Bei der Entwicklung des Managements für ein Natura-2000-Gebiet sollte erwogen werden, ob Flächen dem Prozessschutz unterworfen werden können und durch welche Maßnahmen ggf. die Entwicklung zu  Wildnisgebieten unterstützt werden kann. Hierbei ist zu gewährleisten, dass sich der Erhaltungszustand der im entsprechenden Gebiet geschützten Lebensraumtypen und Arten der FFH - bzw. Vogelschutz-Richtlinie insgesamt nicht verschlechtert.

Bei Neuausweisungen von Totalreservaten, Wildnisgebieten oder Veränderungen der Kernzonen von Nationalparken sollte daher grundsätzlich eine Prüfung erfolgen, ob wertvolle geschützte Offenlandlebensräume oder Arten in erheblichem Umfang betroffen sind. In der Konzeption der Wildnisentwicklungsgebiete ist in solchen Fällen auf die entsprechenden Habitate besonders Rücksicht zu nehmen.

Das Natura-2000-Netz bietet in großem Umfang Raum für Wildnisentwicklungsgebiete, ohne dass dadurch wertvolle Lebensräume und Arten des Offenlands beeinträchtigt werden müssten.

Letzte Änderung: 21.03.2011

 Artikel drucken