Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Vorgaben der Europäischen Kommission für die Erstellung des nationalen FFH-Berichts 2013

Berichtsformat

Das Format, in dem die Mitgliedsstaaten die Daten der nationalen Berichte nach Artikel 17 der FFH -Richtlinie liefern, wird durch die Europäische Kommission vorgegeben. Diese Formatvorgaben dienen dem Ziel, die nationalen Berichte zu standardisieren und die spätere Zusammenführung der Einzelberichte zum  EU-Gemeinschaftsbericht zu vereinfachen.

Das Formular für den Berichtszeitraum 2007-2012 ( DocHab-11-05/03) wurde unter Beteiligung der Mitgliedsstaaten und des Habitatausschusses im Mai 2011 verabschiedet  und ist damit für den Bericht 2013 verbindlich. In den Anhängen A bis E zum Dokument sind die für den Bericht notwendigen Daten und verbindliche Vorgaben für die Bewertung (u.a. Bewertungsmatrices) konkretisiert.

Für die Umsetzung der Vorgaben in Deutschland erfolgten enge Abstimmungen zwischen dem Bund und den Ländern.

Guidance-Dokument (Anleitung zur Berichtserstellung)

Zur Anleitung und Unterstützung der Mitgliedsstaaten bei der Erstellung der nationalen Berichte hat die EU-Kommission weiterhin ein sogenanntes Guidance-Dokument   Assessment and Reporting under Article 17 of the Habitats Directive: Explanatory Notes & Guidelines (Final Version, July 2011) veröffentlicht, das zuvor vom Habitatausschuss verabschiedet worden war.

Das nur in englischer Sprache verfügbare Dokument erläutert in den Kapiteln II-V die Konzepte und Methoden zur Bewertung des Erhaltungszustands der Lebensraumtypen und Arten der FFH -Richtlinie und bietet in Kapitel VI eine detaillierte schrittweise Anleitung zur Berichtserstellung nach den Formatvorgaben der EU-Kommission. Beispiele in den Anhängen des Guidance-Dokumentes illustrieren das Vorgehen.

Biogeografische Regionen

Der Erhaltungszustand der Arten und Lebensraumtypen wird von den Mitgliedstaaten für jede biogeografische Region getrennt bewertet. Die biogeografischen Regionen sind als Bezugsräume erforderlich, um in angemessener Weise das europäische Gesamtareal mit seinen naturräumlichen Unterschieden berücksichtigen zu können.

So wird der Erhaltungszustand z. B. für einen Lebensraumtyp, der über die Fläche Deutschlands verbreitet vorkommt, jeweils für die alpine, atlantische und kontinentale Region getrennt bewertet. 

Allgemeiner Berichtsteil (Anhang A)

Die Mitgliedstaaten werden aufgefordert in einem allgemeinen Berichtsteil Informationen zum Stand der Umsetzung der FFH -Richtlinie bereitzustellen. Im Einzelnen sind Angaben zu folgenden Punkten erfolgt ( Anhang A):

  1. Wichtige Erfolge der Umsetzung der FFH -Richtlinie (textliche Darstellung)
  2. Allgemeine Informationsquellen zur Umsetzung der FFH -Richtlinie (Angabe der Fundstellen zu Informationen über z.B. Schutzgebietsnetz, Monitoringprogramm, rechtliche Umsetzung, Artenschutzmaßnahmen)
  3. Ausweisung von FFH -Gebieten (statistische Angaben zum Ausweisungsstand)
  4. Managementpläne für FFH -Gebiete (statistische Angaben zum Umsetzungsstand)
  5. Ergriffene Maßnahmen im Zusammenhang mit der Genehmigung von Plänen und Projekten (Auflistung der Pläne und Projekte)
  6. Ergriffene Maßnahmen zur Gewährleistung der Kohärenz des Netzes (textliche Darstellung)
  7. Wiederansiedlung von Arten des Anhangs IV (Auflistung der Wiederansiedlungsprojekte)

Bewertung des Erhaltungszustands für Arten und Lebensraumtypen

Die Bewertung des Erhaltungszustands erfolgt bei den Arten anhand der Zusammenführung (Aggregation) von Einzelbewertungen der vier Parameter Aktuelles Verbreitungsgebiet, Population, Habitat der Art und Zukunftsaussichten. Die Kriterien zur Bewertung der Parameter sind in  Anhang B des Berichtsformates vorgegeben.

Bei den Lebensraumtypen sind die Parameter Aktuelles Verbreitungsgebiet, Aktuelle Fläche, Spezifische Strukturen und Funktionen und Zukunftsaussichten nach den in  Anhang D definierten Kriterien zu bewerten und werden anschließend zur Bewertung des Erhaltungszustands aggregiert.

Das Berichtsformat der EU gibt für die Bewertung der Parameter bei den Arten ( Anhang C) und den Lebensraumtypen ( Anhang E) jeweils eine allgemeine Matrix vor. Hierin werden die Parameter nach wenigen Hauptkriterien den drei Bewertungsstufen günstig [grün], ungünstig-unzureichend [gelb] und ungünstig-schlecht [rot] zugeordnet (sog. Ampelschema).

Ermöglicht die Datenlage keine exakte Bewertung der Parameter, so werden diese als unbekannt [grau] eingestuft. Die Mitgliedsstaaten konkretisieren die allgemeine Bewertungsmatrix durch detaillierte art- bzw. lebensraumbezogene Bewertungsschemata mit Grenz- und Schwellenwerten für jedes Kriterium, anhand derer sie die Parameter nach dem Ampelschema einstufen. Die Gesamtbewertung des Erhaltungszustandes, also die Aggregation der vier Einzelparameterbewertungen, folgt festen Regeln:

Grundsätzlich ist der schlechteste Einzelwert maßgeblich. Der Erhaltungszustand ist nur dann günstig, wenn alle vier Parameter mit "grün" bewertet werden oder drei Parameter mit "grün" und einer als "unbekannt" gilt.

Beurteilung der hauptsächlichen Gründe der Veränderung des Erhaltungszustands von Arten und Lebensraumtypen

Im Juni 2013 wurde von der EU der sogenannte „Audit Trail“ eingeführt. Er hat das Ziel, Veränderungen des Erhaltungszustandes zwischen dem aktuellen Bericht 2013 und dem Bericht 2007 zu beurteilen. Die sieben Beurteilungskategorien geben Auskunft über die Art der Veränderung. Die offiziellen EU-Dokumente zum Audit Trail finden sich im  Reference Portal

Es wird zwischen sieben Beurteilungskategorien unterschieden:

  • a Tatsächliche Veränderung: Der Gesamt-Erhaltungszustand hat sich verbessert (oder verschlechtert) aufgrund von natürlichen oder nicht-natürlichen Gründen (Management, Eingriffe, usw.).
  • b1 Die festgestellte Veränderung beruht auf genaueren Daten (z.B. bessere Kartierung der Verbreitung) oder verbesserten Kenntnissen (z.B. zur Ökologie einer Art oder eines Habitats).
  • b2 Die festgestellte Veränderung beruht auf taxonomischen Überarbeitungen: Ein Taxon wurde in [zwei] mehrere Taxa aufgesplittet oder umgekehrt.
  • c1 Die festgestellte Veränderung beruht auf der Anwendung anderer Methoden zur Messung oder Beurteilung einzelner Parameter oder des Gesamt-Erhaltungszustands.
  • c2 Die festgestellte Veränderung beruht überwiegend auf der Anwendung verschiedener Schwellenwerte wie z.B. für die Favourable Reference Values (Referenzwerte).
  • d Es liegt keine Information über die Art der Veränderung vor.
  • e Die festgestellte Veränderung resultiert aus weniger guten oder fehlenden Daten als den im vorhergehenden Bericht verwendeten.

Letzte Änderung: 26.03.2014

 Artikel drucken