Bundesamt für Naturschutz

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Fischerei in Natura 2000-Gebieten


FFH -, Vogelschutz- und  Wasserrahmenrichtlinie stehen einer nachhaltigen fischereilichen Nutzung der geschützten Binnengewässer und der Meeresgebiete grundsätzlich nicht entgegen. Auch hier gilt jedoch, dass ein gewisser Anteil nutzungsfreier (steiler) Bereiche in den Natura 2000 Gebieten vorhanden sein muss. Nur so können empfindliche Lebensräume dauerhaft in einem günstigen Zustand erhalten bzw. empfindlichen Arten Reproduktions- und Laichräume gegeben werden. Allerdings ergibt sich auch für die Fischerei die Verpflichtung sicherzustellen, dass die Fischbestände den gewässerspezifischen natürlichen Lebensgemeinschaften möglichst nahe kommen und fischereiliche Maßnahmen die biologische Vielfalt und insbesondere geschützte Arten nicht beeinträchtigen.

Die mit der Fischerei potentiell verbundenen Risiken Übernutzung bzw. ökologische Schäden, selektive Entnahme, unsachgemäß durchgeführte Besatzmaßnahmen und Beschädigung von Lebensräumen am Ufer oder Gewässergrund können jedoch die ökologische Funktionsfähigkeit der aquatischen Ökosysteme verändern und dadurch den Erhaltungszustand der Schutzgüter in Natura 2000-Gebieten erheblich verschlechtern.

Zur Finanzierung von Naturschutzmaßnahmen im Bereich der Fischerei bietet die EU den  Europäischen Fischereifond an. Damit können selektive Fangmethoden oder Ausgleichszahlungen für Teichwirte, die in Natura 2000-Gebieten besonders umweltverträglich wirtschaften gefördert werden.
Extensive Teichbewirtschaftung kann auch aktiv zum Erhalt bestimmter Amphibien, Insektenarten oder Lebensraumtypen, wie z. B. 3130, 3150, beitragen.

Binnengewässer

Die Beeinträchtigung vieler Binnengewässer hat erhebliche Auswirkungen auf Fischpopulationen und Fischereierträge, so dass es beispielsweise hinsichtlich eines nachhaltigen Managements des gesamten Einzugsgebiets, der Verbesserung der Wasserqualität und bezüglich Renaturierungsmaßnahmen eine prinzipielle Übereinstimmung von fischereilichen und naturschutzfachlichen Interessen gibt ( Gewässer- und Auenschutz). Ungeachtet dessen kann die fischereiliche Bewirtschaftung durch unsachgemäßen Besatz oder Übernutzung zur Gefährdung der aquatischen Fauna beitragen.

Der Kormoran übt einen wesentlichen Einfluss auf die Fischbestände der Binnengewässer aus. Unterschiedliche gibt es in der Bewertung des Einflusses durch Fischer und Naturschützer. Dabei ist allerdings zu unterscheiden zwischen Asuwirkungen auf Teichwirtschaften und Fluss- und Seenfischerei.
Die Bewertungen des Einflusses durch Fischer und Naturschützer fallen allerdings unterschiedlich aus.
Eine Betrachtung der Kormoran-Problematik aus der Sicht unterschiedlicher Nutzer und Naturschutzverbänden gibt der Tagungsband zur Fachtagung Kormorane 2006 ( BfN Skripten, Bd. 204).

Besatzmaßnahmen können zur Ertragssteigerung sowie zur Stützung oder Wiederansiedlung natürlicher Populationen, z. B. dem  Stör-Projekt beitragen, sofern die Tragfähigkeit des Gewässers nicht überschritten wird. Dabei muss jedoch bedacht werden, dass jede Einbringung von Fischen ökologische und genetische Auswirkungen haben kann:

  • Veränderungen des Prädationsregimes und der Konkurrenzbeziehungen
  • Übertragung von Krankheiten und Parasiten
  • Hybridisierung
  • Verlust der lokalen genetischen Eigenständigkeit und
  • spezifischer Anpassungen.

Dadurch kann es zu einem Rückgang geschützter Fisch-, Libellen- oder Molluskenarten, zu unerwünschten Veränderungen in den Nährstoffkreisläufen und zu einer Verringerung der Vielfalt von Arten und Lebensräumen kommen.
Besatzmaßnahmen in FFH -Gebieten oder in Gewässern, die mit FFH -Gebieten in Kontakt stehen (z. B. Oberläufe von Fließgewässern) bedürfen daher grundsätzlich einer FFH -Verträglichkeitsprüfung.

Hohe Anglerzahlen können die Uferlebensräume beeinträchtigen. In Natura 2000-Gebieten kann deshalb fallweise eine Zugangsbeschränkung erforderlich sein, zumal die Uferstrukturen für die ökologische Funktionsfähigkeit der Gewässer von Bedeutung sind. Das mit dem Friedfischangeln verbundene Anfüttern kann in kleinen, oligotrophen Gewässern zur Eutrophierung beitragen, so dass im Einzelfall Vorgaben hinsichtlich der erlaubten Anfüttermenge oder ein Verbot des Anfütterns erforderlich sein können.

Meeresgebiete

Eines der großen Probleme des Meeresnaturschutzes ist nach wie vor die Fischerei. Sie wird für die Überfischung kommerzieller und nicht kommerzieller Fischarten, Degradierung von Lebensräumen am Meeresboden und unbeabsichtigte Beifänge von Meeresvögeln und –säugetieren verantwortlich gemacht.

Die deutschen Natura 2000-Meeresschutzgebiete dienen primär dem Schutz der marinen Biodiversität und der Wiederherstellung des  günstigen Erhaltungszustands der Natura 2000-Schutzgüter. In der AWZ nimmt Deutschland eine europäische Vorreiterrolle für die Erarbeitung von Managementplänen ein. Zur Umsetzung der Anforderungen der Richtlinien hat das BfN das  Forschungsvorhaben "Ökosystemverträgliches Fischereimanagement in marinen Schutzgebieten" (EMPAS)  zusammen mit dem Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) durchgeführt. Der ICES hat auf der Grundlage des  EMPAS-Projektes konkrete Managementempfehlungen für die Fischerei mit Kiemen- und Verwickelnetzen zum Schutz der überwinternden Seevögel in der Pommerschen Bucht (Ostsee) und Schweinswalen in der Nord- und Ostsee sowie für den Schutz von Sandbänken und Riffen in der Nordsee vor den Auswirkungen der Grundschleppnetzfischerei erarbeitet.

Folgende Maßnahmen sind erforderlich, um die Ergebnisse des EMPAS-Projektes umzusetzen und den Schutz von Arten und Lebensraumtypen in marinen Natura 2000-Gebieten in der deutschen AWZ zu gewährleisten:

  • Ausschluss der aktiven grundberührenden Fischerei im Bereich der geschützten Lebensraumtypen Sandbänke und Riffe.
  • Förderung und verpflichtende Einführung von selektiven, ökosystemgerechten Fanggeräten (z.B. Fischfallen) in Gebieten, in denen Schweinswale und Seevögel durch den Beifang in stationären Kiemen- und Verwickelnetzen gefährdet sind.
  • Verbesserte Überwachung und Kontrolle von Fischereiregulierungen, Einführung der satellitengestützetn Überwachung für alle Fischereifahrzeuge unabhängig von der Fahrzeuggröße, Verstärkung der Schiffsüberwachung im Bereich von Meeresschutzgebieten.
  • Einrichtung eines Mindeststandards/einer Mindestanzahl von Wildnisgebieten bzw. Zonen ohne jegliche Nutzung in den marinen Natura 2000-Gebieten.

Linktipps

Weitere Informationen zum Meeresrschutz erhalten Sie unter  Habitat Mare (BfN)

 

Letzte Änderung: 21.03.2011

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