Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Indikatoren für den Naturschutz

In der Berichterstattung zum Naturschutz dienen Indikatoren dazu, die Öffentlichkeit in anschaulicher Weise zu informieren und die Politik zu beraten. Sie fassen komplexe Sachverhalte verständlich zusammen und machen Trends erkennbar. Im Naturschutz umfasst dies Aussagen über den Zustand der biologischen Vielfalt, über Belastungen sowie über Maßnahmen zu Schutz und Erhaltung der biologischen Vielfalt (s.  Definition „Indikatoren für den Naturschutz“) . Im Ergebnis sollen Erfolge sowie Handlungsbedarf für die Gestaltung der Naturschutzpolitik und anderer Politikbereiche mit Bezug zum Naturschutz deutlich werden.

Anforderungen an Indikatoren

Als Instrumente der Politikberatung sollten Indikatoren, die Aussagen auf Bundesebene treffen, idealerweise folgende Anforderungen erfüllen (vgl. Dröschmeister & Sukopp 2009, Heink & Kowarik 2010, Sukopp et al. 2010, 2011):

  • Für die regelmäßige Bilanzierung der Indikatoren müssen verlässliche Daten aus dauerhaft abgesicherten Monitoringprogrammen bereitgestellt werden. Die Erhebungs- und Auswertungsmethoden müssen standardisiert sein, wissenschaftlichen Ansprüchen genügen und bundesweite Aussagen ermöglichen. Hierbei ist stets eine Qualitätskontrolle der Daten und Rechenergebnisse vorzunehmen.
  • Die Daten sollten regelmäßig – soweit möglich und angebracht jährlich – aktualisiert werden. Mit Beginn der Berichterstattung sollten mindestens 10 Jahre zurückreichende Datenreihen vorliegen.
  • Die regelmäßige Bilanzierung der Indikatoren muss personell, institutionell und finanziell gesichert sein.
  • Die Aussage des Indikators soll möglichst einfach verständlich sein.
  • Die Definition des Indikators, Vorschriften für die Berechnung der Indikatorwerte und für die statistische Ermittlung von Trends müssen eindeutig festgelegt und nachvollziehbar sein.
  • Die Werte für den aktuellen Status (Grad der Zielerreichung) und für den rezenten Trend sollten vorab definierten Klassen zugeordnet und bspw. mit Hilfe von Pfeilen oder Ampelfarben anschaulich dargestellt werden.
  • In der Berichterstattung der Indikatoren sollten folgende wichtige Elemente in einheitlicher Form bedient werden: graphische Darstellung, Formulierung der Aussagen, fachliche und politische Interpretation des Indikators, Formulierung von Empfehlungen im Rahmen der Politikberatung.
  • Um wichtige Adressaten zu erreichen, sollten die Kommunikationswege für die Berichterstattung sorgfältig gewählt und in professioneller Form genutzt werden (z. B. Indikatorenberichte, Fachpublikationen, Internet).

Nach oben

Zielwerte für Indikatoren

Für die Politikberatung ist die Festlegung eines künftigen Ziels entscheidend. Damit wird eine Norm gesetzt, zu deren Findung zwar fachliche Grundlagen herangezogen werden, die aber letztlich politisch-gesellschaftlich legitimiert werden muss (vgl. Wiggering & Müller 2004, Sukopp et al. 2011). Erst mit Hilfe einer solchen Norm kann in der Berichterstattung des zugehörigen Indikators ermittelt werden, wie groß der Abstand des aktuell bilanzierten Indikatorwertes zum Zielwert ist, und es kann eine Aussage über die Dringlichkeit von Maßnahmen getroffen werden. Im besten Fall werden die Zielwerte präzise quantifiziert und mit einem konkreten Zieljahr versehen. Ist dies nicht möglich, können allgemeine Qualitätsziele formuliert werden, die zumindest die Richtung einer künftig erwünschten Entwicklung vorgeben. Hiervon ausgenommen sind Maßnahmeindikatoren, bei denen in der Regel keine eindeutige Obergrenze für den Umfang der Anstrengungen festgelegt wird.

Nach oben

Indikatoren auf internationaler und europäischer Ebene

Für die Berichterstattung über die biologische Vielfalt wurden auf internationaler Ebene verschiedene Indikatorensets mit sogenannten Kernindikatoren vereinbart, die die wichtigsten Entwicklungen darstellen und Vergleiche ermöglichen sollen. Die OECD verwendet beispielsweise einen Satz von  Indikatoren zum Thema Umwelt und Landwirtschaft, mit Hilfe dessen die Auswirkungen der agrarischen Nutzung u.a. auf die biologische Vielfalt aufgezeigt werden (OECD 2008). Auf EU-Ebene wurden Kernindikatorensätze zur Erfolgskontrolle der europäischen Nachhaltigkeitsstrategie und der Umsetzung der Konvention zur Erhaltung der biologischen Vielfalt erarbeitet. Auch wenn die konzeptionelle Entwicklung dieser Indikatorensets weitgehend abgeschlossen ist, sind immer wieder Anpassungen an neue Entwicklungen wie zum Beispiel den Klimawandel erforderlich. Zudem ist bei vielen Indikatoren die Datenbereitstellung nach wie vor ungenügend.

Auf der 7. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt wurde ein Set von Headline-Indikatoren beschlossen, das weltweit die Umsetzung der CBD -Ziele, insbesondere des sogenannten 2010-Zieles („reduce the loss of biodiversity“) überwachen soll ( COP 7 Decision VII/30). Mit der Annahme dieses Indikatorensets durch den Rat der EU wurde die Grundlage für ein europaweit koordiniertes Vorgehen geschaffen.

Im Jahr 2005 begann unter Federführung der Europäischen Umweltagentur (EEA) der SEBI 2010-Prozess (Streamlining European 2010 Biodiversity Indicators). Im Verlauf dieses Prozesses wurde ein übersichtliches Set von Indikatoren zusammengestellt, das die CBD -Headline-Indikatoren konkretisiert und für weitere Prozesse auf europäischer Ebene nutzbar macht. Bei der Auswahl wurde darauf geachtet, die sogenannten „focal areas“ der CBD abzudecken. Seit dem Abschluss der ersten Phase der Entwicklung des SEBI 2010-Indikatorensets im Frühjahr 2007 liegen  Datenblätter für insgesamt 26 Indikatoren vor, die seitdem auf europäischer Ebene berichtet werden (EEA 2009, 2010a).

Trotz zahlreicher Datenlücken – beispielsweise liegen für bestimmte Indikatoren aus vielen Ländern bislang keine Daten vor – sind einige übergreifende Aussagen zum Zustand der biologischen Vielfalt in Europa mit Hilfe der SEBI 2010 Indikatoren möglich geworden. So konnte die Europäische Umweltagentur im internationalen Jahr der biologischen Vielfalt einen   Indikatorenbericht vorlegen, in dem der Zustand und die Veränderungen vieler Komponenten der biologischen Vielfalt in weiten Teilen Europas in allgemeiner Form bewertet werden (EEA 2010a). Da keine quantitativen Zielwerte für die Indikatoren festgelegt wurden, basieren die Bewertungen auf einer allgemeinen – in der Regel impliziten – Richtungsvorgabe für den Indikatorverlauf, die sich aus dem übergeordneten Ziel ergibt, den Verlust an biologischer Vielfalt bis 2010 zu stoppen.

Als Ergebnis formuliert die EEA (2010a), dass Europa noch weit davon entfernt ist, das übergeordnete 2010-Ziel zu erreichen. Als wesentliche Gründe werden hierfür von der EEA genannt: eine mangelnde Integration des Naturschutzes in allen Politikbereichen, fehlender politischer Wille, unzureichende Finanzierung, mangelhafte Kommunikation, das Fehlen konkreter Zielwerte, unzureichendes Monitoring der biologischen Vielfalt sowie daraus resultierende Wissenslücken.

Bereits jetzt hat die Berichterstattung auf Grundlage der SEBI 2010 Indikatoren einen wichtigen Beitrag geleistet zur Formulierung der Biodiversitätsstrategie der EU für die Dekade bis 2020 und zur Konkretisierung einzelner 2020-Ziele zum Schutz und zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt (vgl.   EEA 2010b). Künftig sollen das  Biodiversity Information System for Europe (BISE) und das  EU Biodiversity Data Centre helfen, Wissenslücken auf europäischer Ebene zu verringern.

Nach oben

Indikatoren auf nationaler Ebene in Deutschland

Im Jahr 2006 begann die Entwicklung eines breit gefächerten Indikatorensets für die Nationale Strategie zu biologischen Vielfalt. Im Indikatorenbericht 2010 (pdf-Datei, 3,5 MB) wurden die bis zu diesem Zeitpunkt aufgestellten 19 Indikatoren erstmals in einheitlicher Form bilanziert (BMU 2010). Der aktuell vorliegende  Indikatorenbericht 2014 (pdf-Datei, 3,7 MB) wurde vom Bundeskabinett am 4. Februar 2015 beschlossen (BMUB 2015).

Zu den Indikatoren der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt erhalten Sie hier ausführliche Informationen:

zum  Indikatorenbericht 2014 zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt

zu den Indikatoren der Nationalen Strategie zur biologische Vielfalt

Der Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“ist ein wichtiger Zustandsindikator und Teil des Indikatorensets der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Weitere Informationen zu diesem Indikator erhalten Sie hier:

zum Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“

Die Länder haben im Auftrag der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Klima, Energie, Mobilität – Nachhaltigkeit (BLAG KliNa) einen Satz von 24 umweltbezogenen Kernindikatoren entwickelt. Zu diesen Indikatoren wurde der 5. Erfahrungsbericht 2014 vorgelegt (BLAG KliNa 2014 mit Anhang und Broschüre). Aktualisierung, Dokumentation und fachliche Weiterentwicklung dieser Indikatoren liegen in der Verantwortung der Länderinitiative Kernindikatoren (LIKI), an der auch das BfN beteiligt ist. Ziel der Arbeiten ist es, eine möglichst einheitliche Anwendung der Indikatoren in den Ländern und im Bund zu gewährleisten.

Das Umwelt-Kernindikatorensystem(KIS) wurde 2005 unter Federführung des Umweltbundesamtes eingerichtet. Es umfasst mehr als 50 Indikatoren, die Entwicklungen in folgenden Themenbereichen aufzeigen: (1) Klimaänderungen, (2) biologische Vielfalt, Naturhaushalt und Landschaft, (3) Umwelt, Gesundheit und Lebensqualität sowie (4) Ressourcennutzung und Abfallwirtschaft. Die Indikatoren wurden nach umweltpolitischen Prioritäten in Deutschland sowie in Anlehnung an die wichtigsten internationalen Indikatorensysteme ausgesucht. Ziel der Berichterstattung ist es, politische Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit aktuell und komprimiert über umweltbezogene Fortschritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen und dauerhaft umweltgerechten Entwicklung in Deutschland zu informieren. Der Themenkomplex zum Arten-, Biotop- und Gebietsschutz umfasst insgesamt 12 Indikatoren und wurde federführend von BfN und BMU bearbeitet. Indikatoren des Umwelt-Kernindikatorensystems mit Bezug zur biologischen Vielfalt werden auch für die Berichterstattung zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt genutzt.

Nach oben