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Seekabel


Seeverlegung - Umspulung eines Teilabschnitts des Kabels auf See. Foto: TenneT TSO GmbH
Seeverlegung - Umspulung eines Teilabschnitts des Kabels auf See. Foto: TenneT TSO GmbH

Mit dem Bau und der Planung von Offshore-Windparks geht die Herausforderung einher, diese an das Stromnetz des Festlandes anzuschließen. Dies erfolgt durch Hochspannungs-Energiekabel, die mit speziell ausgerüsteten Schiffen im Meeresboden vergraben werden. Einige wenige Kabel sind bereits in Betrieb, jedoch werden für die zukünftigen Windparks in Nord- und Ostsee in den nächsten Jahren zahlreiche weitere Seekabel notwendig.

Mehrere Leitungen in Nord- und Ostsee

Zurzeit sind zwei Hochspannungsleitungen mit einer Kapazität von bis zu 900 MW in Betrieb. Zusätzliche Kapazitäten befinden sich noch in der Planung, hiervon mehrere Leitungen in der Nordsee. Genauere Informationen geben die Übersichtskarten des BfN zu den Windkraftnutzungsgebieten in der Nordsee und der Ostsee.
Siehe auch:  Offshore-Windkraft und   www.erneuerbare-energien.de.

Zudem existieren auch noch grenzüberschreitendende Seekabelsysteme, sog. Interkonnektoren, die für einen Stromaustausch zwischen verschiedenen Ländern konzipiert sind. Ein Beispiel für ein solches unterseeisches Starkstromkabel ist das NorNed-Kabel, welches seit 2008 in Betrieb ist. Dies ist die mit 580 km weltweit längste Kabelleitung zum Stromtransport und führt von Norwegen nach den Niederlanden durch die deutsche AWZ der Nordsee. Nach dem Ablegen durch speziell ausgerüstete Schiffe werden die Kabel mit Pflügen oder Spülschlitten in den Meeresboden eingebracht. Die dabei entstehenden Auswirkungen entsprechen zum Teil denen der  Sedimentgewinnung mittels Schleppkopfsaugbaggern. Um den Stromverlust durch den langen Transport gering zu halten, wird er mit Hochspannungs-Gleichstromsystemen übertragen (HGÜ). Im Falle von Offshore-Windparks muss der gewonnen Strom dabei erst in einer sogenannten Konverterstation in Gleichstrom umgewandelt, dann zum Land transportiert, dort wieder in Wechselstrom umgewandelt und ins Stromnetz eingespeist werden.


18cm Durchmesser, 53 kg pro Meter. Das Seekabel für die Anbindung des Windparks alpha ventus. Quelle: TenneT TSO GmbH
18cm Durchmesser, 53 kg pro Meter. Das Seekabel für die Anbindung des Windparks alpha ventus. Quelle: TenneT TSO GmbHs.

Der Kabeltisch auf der "Team Oman" verdeutlicht die Dimensionen - rund 55 km Kabel sind hier aufgerollt. Quelle: TenneT TSO GmbH
Der Kabeltisch auf der "Team Oman" verdeutlicht die Dimensionen - rund 55 km Kabel sind hier aufgerollt. Quelle: TenneT TSO GmbH
Kabelumspulung auf See. Quelle: TenneT TSO GmbH
Kabelumspulung auf See. Quelle: TenneT TSO GmbH

Auswirkungen der Stromkabel auf marine Lebensvielfalt

Zwar ist dieses Forschungsfeld noch Neuland, jedoch gewinnt es mit dem großflächigen Bau der Offshore-Windparks zunehmend an Bedeutung.

Die Verlegung / Einspülung der Leitungen und die damit verbundenen Sedimentumlagerungen verursachen zunächst einmal den direkten Verlust von Bodenlebensgemeinschaften und bodennah lebenden Fischen. Durch die Trübungsfahnen wird auch die Umgebung beeinträchtigt.

Im Betrieb emittieren die Hochspannungsgleichstromübertragungskabel (HGÜ’s) Wärme und elektromagnetische Felder, weshalb in den letzten Jahren erstmalig die Auswirkungen auf die benthischen Organismen und das umgebende Sediment untersucht wurden. Die Temperaturerhöhung kann sowohl die dort lebenden Organismen in ihrem Stoffwechsel beeinflussen als auch zu einer Veränderung der Zusammensetzung der Bodenlebensgemeinschaft im kabelumgebenden Sediment führen. Eine Temperaturerhöhung von weniger als 2°Kelvin in 20cm unter der Sedimentoberfläche gilt als noch tolerabel. Dies ist ab einer Verlegetiefe von 1m möglich.

Darüber hinaus ergaben Untersuchungen vor Großbritannien, dass die emittierten elektro-magnetischen Felder der Seekabel Einfluss auf das Verhalten (insbesondere das Jagdverhalten und die Orientierung) von bodennah lebenden Haien und Rochen haben können. Auch Wanderfischarten, die sich an Magnetfeldern orientieren, können durch die elektromagnetischen Felder beeinflusst werden. Hier besteht nachwievor Forschungsbedarf.

Kommunikations-/ Datenkabel

Neben den unterseeischen Stromkabeln, laufen bereits mehrere Kommunikationskabel durch die deutsche AWZ. Durch ihre, im Gegensatz zur Satellitenübertragung, geringe Störanfälligkeit haben sich Glasfaserkabel als ideal für den Transport von Daten zwischen Ländern und Kontinenten herausgestellt. Im Zuge der heutigen Entwicklung sind immer größere Datenmengen zu bewältigen. Damit ist klar, dass es in Zukunft weitere Projekte zur Verlegung von Datenkabel in den deutschen Gewässern geben wird.

Die Auswirkungen der Kommunikationskabel auf die Meeresumwelt sind noch unerforscht.

Weiter Infos & Karten

Karte Pipelines

Weitere Infos und Karten zur Verlegung und dem Betrieb von Strom- und Kommunikationskabeln im Bereich des deutschen Festlandsockels der Nord- und Ostsee finden Sie auf der Website des BSH.