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Das Schutzgebiet Oderbank


 Transkript des Videos zur Oderbank

Die Oderbank ist die zentrale morphologische Struktur in der Pommerschen Bucht. Das rund 1.101 km² große Schutzgebiet umfasst nahezu vollständig die gesamte Oderbank, sofern sie in der deutschen AWZ liegt, mit Wassertiefen von 7 m bis 20 m. Bei der Oderbank handelt es sich um eine idealtypisch ausgebildete, große, flache Sandbank mit herausragender ökologischer Bedeutung. Es herrschen einheitliche Mittel- bis Feinsande vor. Die vergleichsweise artenarme, aber sehr individuenreiche Bodentiergemeinschaft wird vor allem von Muscheln geprägt, insbesondere von Sandklaff-, Platt-, Herz- und Miesmuscheln. Auf der Kuppe siedeln Arten, die besonders feine Sande bevorzugen, zum Beispiel Flohkrebse der Gattung Bathyporeia. Diese und die hier zahlreich vorkommenden Jungfische (s.u.) sind eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele Vogelarten wie zum Beispiel Stern- und Prachttaucher, Eis-, Samt- und Trauerenten, die im Bereich der Oderbank überwintern bzw. auch mausern.


Fakten zur Pommersche Bucht mit Oderbank ( FFH -Gebiet)
Steckbrief  Pommersche Bucht mit Oderbank
EU-Code: DE 1652-301
Lage (Gebietsmittelpunkt):
 14°20'00" E 54°20'00" N
Lebensraumtypen Sandbänke ca. 480 km²
Arten/Anzahl Schweinswal
(Phocoena phocoena)    
251-500
Finte
(Alosa fallax)
nachgewiesen, z.Zt. keine Bestandszahlen
Stör galt als ausgestorben, Wiederansiedlung möglich. Siehe:  Wiederansiedlung des Störs

Laich- und Aufwachsgebiet für Steinbutt und Scholle

Typische Sandbankoberfläche. Foto: Hübner/Krause (BfN)
Typische Sandbankoberfläche. Foto: Hübner/Krause (BfN)

Von besonderer Bedeutung ist das Schutzgebiet als Laich- und Aufwachsgebiet für Steinbutt und Scholle. Viele Plattfischarten finden hier Nahrung im Überfluss. In den feinen Sanden können sich auch die unerfahrenen Jungfische schnell mit ihrem wellenartigen Flossenschlag eingraben. Manche Arten perfektionieren ihre Tarnung, indem sie ihre Pigmentierung der Farbe und Struktur des Untergrundes anpassen.

Eine besonders hohe Bedeutung hat die Oderbank auch als marines Nahrungs- und Überwinterungshabitat für Ostseeschnäpel und Finten. Darüber hinaus gilt die Oderbank als wichtiges potenzielles marines Verbreitungs- und Nahrungsgebiet für den wieder angesiedelten Stör (Oderregion).


Schweinswal-Teilpopulation der östlichen Ostsee. Foto: T. Rosenberger
Schweinswal-Teilpopulation der östlichen Ostsee. Foto: T. Rosenberger

Als marine Säugetierart sind auf der Oderbank Schweinswale nachgewiesen worden, z.T. sogar mit saisonalen Konzentrationen („hot spots“). Es handelt sich hierbei vermutlich um Tiere der Schweinswal-Teilpopulation der östlichen Ostsee, die zurzeit auf nur noch ca. 600 Kleinwale geschätzt wird und als stark gefährdet gilt.

Die Abgrenzung des Schutzgebietes Oderbank erfolgte anhand der Ausprägung des Lebensraumtyps „Sandbänke“ sowie dem episodischen Verbreitungsschwerpunkt von Schweinswalen. Als weitere Anhang II-Arten der FFH -Richtlinie werden Finte und Stör mitgeschützt.

Schutz- und Erhaltungsziele

Für die abgrenzungsrelevanten Lebensraumtypen und Tierarten wurden allgemeine Schutz- und Erhaltungsziele festgelegt.

  • Erhaltung und Wiederherstellung der spezifischen ökologischen Funktionen, der biologischen Vielfalt und der natürlichen Morpho- und Hydrodynamik des Gebietes;
  • Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes des Lebensraumtyps „Sandbänke mit nur schwacher ständiger Überspülung durch Meerwasser“  Code 1110 mit seinen charakteristischen und gefährdeten Lebensgemeinschaften und Arten;
  • Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes folgender FFH -Arten und ihrer Habitate: Schweinswal (u.a. durch ASCOBANS Recovery Plan of Harbour Porpoise in the Central Baltic) und Finte.
  • Geeignetes Habitatmanagement für die Wiederansiedlung der prioritären FFH -Fischart Stör (Acipenser oxyrinchus, ehemals A. sturio).

Potentielles Nahrungs- und Wiederansiedlungsgebiet für den Stör (Acipenser oxyrinchus). Foto: K. Wollny-Goerke
Potentielles Nahrungs- und Wiederansiedlungsgebiet für den Stör (Acipenser oxyrinchus). Foto: K. Wollny-Goerke

Natura 2000-Gebiete in der AWZ der deutschen Ostsee:

 

 Ostsee

 Fehmarnbelt

 Kadetrinne

 Adlergrund

 Westliche Rönnebank

Oderbank

 Pommersche Bucht