Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Das Schutzgebiet Fehmarnbelt


Das rund 280 km² große Schutzgebiet umfasst die schmale deutsche AWZ nördlich von Fehmarn mit der Fehmarnbelt-Rinne. Diese ist eine bis 35 m tiefe Meerenge, durch die ca. 70 % des Wasseraustausches zwischen Nord- und Ostsee erfolgt und daher eine wichtige Schlüsselfunktion für die Verbreitung und den Austausch der marinen Arten hat.

Die Schutzgebiets-Abgrenzung (Wassertiefen von 12 m bis 35 m) erfolgte vor allem nach den Vorkommen der Lebensraumtypen „Sandbänke“ und „Riffe“ sowie den Verbreitungsschwerpunkten der Schweinswale.


Fakten zum Fehmarnbelt ( FFH -Gebiet)
Steckbrief  Fehmarnbelt
EU-Code: DE 1332-301
Lage (Gebietsmittelpunkt):
 11°14’00" E 54°34’00" N
Lebensraumtypen Sandbänke 5 km²
Riffe 57 km²
Arten/Anzahl Schweinswal
(Phocoena phocoena)    
> 100
Seehund
(Phoca vitulina)
z.Zt. keine Bestandszahlen

Megarippel mit besonderem ökologischen Wert

Seescheiden (Ascidiacea) und Rotalgen. Foto: D. Schories (BfN)
Seescheiden (Ascidiacea) und Rotalgen. Foto: D. Schories (BfN)
Tangbeeren (Dendrodoa grossularia). Foto: D. Schories (BfN)
Tangbeeren (Dendrodoa grossularia). Foto: D. Schories (BfN)

Der Süden des Fehmarnbelts wird durch große, mehrere Meter hohe Sandrippel auf dem Meeresboden gekennzeichnet. Diese sogenannten Megarippel mit einer Kammhöhe bis zu 3 m stellen eine besondere Ausprägung des Lebensraumtyps „Sandbänke“ dar und sind aufgrund ihrer Seltenheit von besonderem geowissenschaftlichen und ökologischen Wert. Ihre Entstehung ist noch nicht hinreichend geklärt. Sie werden von kleinräumig heterogenen Benthosgemeinschaften besiedelt, für die u.a. Astartemuscheln und Islandmuscheln charakteristisch sind.


Klippenbarsch (Ctenolabrus rupestris) in Rotalgen. Foto: Dirk Schories (BfN)
Klippenbarsch (Ctenolabrus rupestris) in Rotalgen. Foto: Dirk Schories (BfN)

Die im Schutzgebiet liegenden Riffe beherbergen einige der artenreichsten Lebensgemeinschaften der Ostsee und sind bis in Wassertiefen von über 20 m mit Braun- und Rotalgen besiedelt. Diese ausgedehnten Algenbestände bilden ein wesentliches Merkmal der Riffe im Fehmarnbelt. Die auf den Steinen wachsenden Benthosgemeinschaften sind sehr artenreich und werden von zahlreichen Schwamm- und Muschelarten bestimmt. Hier auftretende sehr sensible (u.a. verschiedene Krebsarten) und z.T. auch langlebige Arten wie zum Beispiel Wellhorn- und Spindelschnecken zeigen konstante und gute Umweltbedingungen an.


Klaffmuscheln (Mya ssl.) sind typische Bewohner. Foto: D. Schories
Klaffmuscheln (Mya ssl.) sind typische Bewohner. Foto: D. Schories
Dichter Algenbewuchs bis in 30 m Tiefe. Foto: Hübner/Krause (BfN)
Dichter Algenbewuchs bis in 30 m Tiefe. Foto: Hübner/Krause (BfN)

Forscher entdeckten jüngst in allen Großgruppen Arten, die Jahre bzw. Jahrzehnte nicht mehr in der Ostsee festgestellt wurden. So konnte ein Großteil der in der „Roten Liste der gefährdeten Arten der deutschen Ostsee“ aufgeführten Benthosorganismen im Schutzgebiet nachgewiesen werden.

Schweinswale durchschwimmen den Fehmarnbelt auf ihren Wanderungen regelmäßig und für Ostseeverhältnisse sehr häufig. Sie kommen sowohl in dem gemeldeten FFH -Gebiet als auch in den unmittelbar umgebenden Gewässern rund um Fehmarn vor. Dabei scheint das Gebiet für die Tiere eine wichtige Bedeutung zum Beispiel während ihrer Ruhephasen zu haben. Auch Kälber wurden gesichtet. Seit 2002 werden in der deutschen Ostsee Schweinswale durch Flugzeugerfassungen des Forschungs- und Technologiezentrums Westküste gezählt und akustisch mit Hilfe von PODs (Porpoise Click Detectors = Unterwasser-Mikrofon, das die Schweinswallaute (Clicks) aufzeichnet) erfasst. Zudem wurden die Wanderungsbewegungen der Schweinswale bis in den Fehmarnbelt von dänischen Forschern aufgezeichnet.

Als weitere Anhang II-Art der FFH -Richtlinie werden auch Seehunde mitgeschützt, die das Gebiet zur Nahrungssuche nutzen.

Schutz- und Erhaltungsziele

Für die abgrenzungsrelevanten Lebensraumtypen und Tierarten wurden folgende allgemeine Schutz- und Erhaltungsziele festgelegt.

  • Erhaltung und Wiederherstellung der spezifischen ökologischen Funktionen, der biologischen Vielfalt und der natürlichen Hydro- und Morphodynamik des Gebietes sowie der spezifischen ökologischen Funktionen, insbesondere

    • als Korridor für den ungestörten Austausch von aperiodisch einströmendem Salzwasser der Nordsee und ausströmendem Brackwasser der Ostsee;
    • als Hauptwanderweg für marine Faunen- und Florenelemente in die östliche Ostsee;

  • Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der Lebensraumtypen "Sandbänke mit nur schwacher ständiger Überspülung durch Meerwasser"  Code 1110 und "Riffe"  Code 1170 mit ihren charakteristischen und gefährdeten Lebensgemeinschaften und Arten;
  • Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes folgender FFH -Arten und ihrer Habitate: Schweinswal (u.a. durch ASCOBANS Recovery Plan of Harbour Porpoise in the Central Baltic) und Seehund.

Geeigneter Lebensraum für Sandgrundeln (Pomatoschistus minutus). Foto: Hübner/Krause (BfN)
Geeigneter Lebensraum für Sandgrundeln (Pomatoschistus minutus). Foto: Hübner/Krause (BfN)
Nagelrochen (Raja clavata). Foto: S. Gust
Nagelrochen (Raja clavata). Foto: S. Gust

Natura 2000-Gebiete in der AWZ der deutschen Ostsee:

 

 Ostsee

Fehmarnbelt

 Kadetrinne

 Adlergrund

 Westl. Rönnebank

 Oderbank

 Pommersche Bucht

Karte Ostsee

Zeigt die Karte Natura 2000-Schutzgebiete nach FFH-Richtlinie und EU-Vogelschutzrichtlinie im Hoheitsbereich und in der deutschen AWZ der Ostsee.

Natura 2000-Schutzgebiete nach FFH -Richtlinie und EU-Vogelschutzrichtlinie im Hoheitsbereich und in der deutschen AWZ der Ostsee.
(Karte: Stand 07.2011)
[+] Karte ansehen


Zeigt die Grafik Natura 2000-Schutzgebiete in der deutschen AWZ der Ostsee mit Darstellung des Meeresbodens. Grafik: C.Terstegge

Natura 2000-Schutzgebiete in der deutschen AWZ der Ostsee mit Darstellung des Meeresbodens.
(Grafik: Stand 07.2011)
[+] Grafik ansehen