Bundesamt für Naturschutz

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Biotopmanagement: Alternative Strategien des Naturschutzes für die Landschaftsentwicklung

"Halboffene Weidelandschaften" - "Management durch massive Störungen"

Extensiv genutzte Offenlandbiotope

Moderne Entwicklungen der Landbewirtschaftung und veränderte ökonomische Rahmenbedingungen haben in den letzten Jahrzehnten zu erheblichen Verlusten wertvoller Offenlandbiotope und ganzer durch diese geprägter Landschaften geführt. Von dieser Entwicklung sind besonders auch extensiv genutzte Grünlandbiotope und letztendlich die traditionellen Kulturlandschaften insgesamt betroffen. Ursachen sind einerseits deutliche Rückzugstendenzen der Landwirtschaft, die zu einer großflächigen Nutzungsaufgabe besonders in diesen bisher extensiv genutzten Bereichen führen werden. Auf der anderen Seite erfolgen großflächige Aufforstungen dieser für den Naturschutz bedeutsamen Räume.



Weidelandschaft "Höltigbaum"

Aus Sicht des Naturschutzes ist es äußerst unwahrscheinlich, dass alle früher extensiv genutzten Offenlandbereiche (Feucht- und Niedermoorgrünland, Magerrasen, Sandmagerrasen, Zwergstrauchheiden usw.) mittel- bis langfristig mit traditionellen Konzepten des Naturschutzes (z.B. Biotoppflege, Vertragsnaturschutz) erhalten werden können. Die Gründe hierfür sind vor allem der Rückzug der Landwirtschaft aus diesen Bereichen und die begrenzte Verfügbarkeit von Finanzmitteln für die Biotoppflege.

Entsprechend müssen neue Strategien des Naturschutzes zum Einsatz kommen (vgl. RIECKEN et al. 1998). Neben fortentwickelten Ansätzen des Biotopmanagements (Stichwort  "Management durch massive Störungen") bietet vor allem das Konzepte für die Entwicklung von  "halboffenen Weidelandschaften" eine aktuelle Alternative.



New Forest (England): Lichter Wald

Lichte Waldökosysteme

Neben dem Ziel der Erhaltung von Offenlandökosystemen der agrarisch genutzten Kutlurlandschaft ist es ein weiteres Anliegen des Naturschutzes, lichte Waldökosysteme und Wald-Offenland-Übergänge zu erhalten oder neu zu schaffen. Solche Lebensräume sind für natürliche und naturnahe Wälder typisch und für viele daran angepasste Tier- und Pflanzenarten überlebenswichtig. Ursprünglich haben sowohl die natürlichen Großherbivoren-Gemeinschaften als auch natürlich dynamische Prozesse (Waldbrand, Eisbruch, Windwurf usw.) dazu beigetragen, dass solche Bereiche in weit größerem Umfang als heute entstanden sind.

Bei der Umsetzung kommen dabei großen Pflanzenfressern eine zentrale Rolle zu. Dies können die natürlicher Weise vorkommenden Arten wie Rothirsch und Wildschwein oder künftig vielleicht Elch und  Wisent sein. Geeignet erscheint jedoch auch die Wiedereinführung von Systemen, die an traditionelle Formen der Waldweide angelehnt sind.

Um offene und halboffene Bereiche in Wäldern zu schaffen kann es in bestimmten Fällen erforderlich sein,  massive Störungen zuzulassen oder aktiv durch Biotopmanagement herbeizuführen. Schließlich sollten in Wäldern natürliche Prozesse auch dazu führen, dass sich Bestände mit  Wildnischarakter vermehrt ausbilden.


Waldbrand

Förderung dynamischer Prozesse

Die Förderung von dynamischen Prozessen in der Landschaft ist ein weiteres Anliegen alternativer Strategien des Naturschutzes für die Landschaftsentwicklung. Dies kann zum einen durch das gezielte Eingreifen in etablierte Landschaftsstrukturen erfolgen, in deren Folge Pionierlebensräume neu geschaffen werden. Durch die nahezu flächendeckende wirtschaftliche Nutzung der Kulturlandschaft in Mitteleuropa sind solche Lebensräume insbesondere im letzten Jahrhundert in ihrem Bestand stark rückläufig. Die Vorstellungen für ein solches  "Management durch massive Störungen" orientieren sich an natürlich auftretenden Störungen wie z.B. Überflutungen, Windbrüche oder Waldbrände.



"Urwald" auf der Insel Vilm

Zum anderen können natürliche dynamische Prozesse durch die Einrichtung von  "Wildnisgebieten" auch in Mitteleuropa gefördert werden. Solche Gebiete sollten sich weitgehend unbeeinträchtigt von menschlichen Einflüssen entwickeln.

Das Bundesamt für Naturschutz beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dieser Problematik.

Neben  konzeptionellen Ausarbeitungen und nationalen sowie internationalen Fachtagungen, deren Ergebnisse in  vier Tagungsbänden dokumentiert sind, werden eigene Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben zu den Themen  Weidelandschaft und  Wildnisgebiete gefördert.

Literaturhinweise

weitere Informationen

 Konzeptioneller Hintergrund

Kontakt

Für weitere Fragen:

 Peter Finck
 Uwe Riecken

 FG II 2.1

Letzte Änderung: 15.02.2017

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