Bundesamt für Naturschutz

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Projektsteckbrief UNESCO-Weltnaturerbe in Deutschland

Umsetzung der Welterbekonvention in Deutschland
Aktivitäten im Bereich Naturerbe


Hintergrund:

Deutschland als Vertragsstaat des   UNESCO -Welterbeübereinkommens hat sich verpflichtet, Natur- und Kulturgüter von "herausragendem, universellen Wert" zu erhalten. Nach Art. 3 des Übereinkommens ist es Angelegenheit der Vertragsstaaten ihre potenziellen Welterbestätten zu identifizieren. Im Rahmen der periodischen Berichterstattung über den Stand der Umsetzung des Welterbeübereinkommens in Deutschland (entsprechend Art. 29 des Welterbeübereinkommens) sind hinsichtlich der Naturwerte in Deutschland Defizite festgestellt worden. Dies spiegelt sich insbesondere in der Ungleichgewichtung von Kulturstätten und Naturstätten (nur drei Naturstätten bei insgesamt 41 Welterbestätten) in der bestehenden deutschen Welterbeliste wider.


Das Projekt:

Im Rahmen der Umsetzung des Welterbeübereinkommens im Bereich Naturerbe berät das BfN das BMUB und unterstützt die Länder bei der Vorbereitung von Nominierungen von Gebieten für die UNESCO -Welterbeliste. Dazu werden verschiedene F+E -Vorhaben durchgeführt.


Identifizierung potenzieller deutscher Naturerbenominierungen:

Urvogel Archeopteryx/Potenzielle Weltnaturebestätte Solnhofer Plattenkalke (Bildautor: Naturpark Altmühltal)
Urvogel Archeopteryx/Potenzielle Weltnaturebestätte Solnhofer Plattenkalke (Bildautor: Naturpark Altmühltal)

Ziel eines ersten Forschungs- und Entwicklungvorhabens im Jahr 2004 war es, für eine Nominierung als UNESCO -Welterbestätte potenziell geeignete Naturstätten und organisch gewachsene Kulturlandschaften in Deutschland zu identifizieren. Damit kommt Deutschland seiner Verpflichtung zur Identifizierung von Naturwerten, die potenziell für eine Nominierung als UNESCO -Welterbestätte geeignet sind, nach. So genannte "serielle Nominierungen" (Cluster) und "grenzüberschreitende Nominierungen" sollten dabei mit in Erwägung gezogen werden, da in Europa viele Naturwerte erst im internationalen Kontext ausreichend gewürdigt werden können. Mittels einer vergleichenden Bewertung wurden die potenziellen Erfolgsaussichten der Vorschläge bewertet. Nicht behandelt wurde das deutsche Wattenmeer, da es zum Zeitpunkt der Studie bereits auf der deutschen Anmeldeliste verzeichnet war. Aus dieser Studie ergab sich unter anderem ein Potenzial für die Nominierung deutscher Buchenwälder als Weltnaturerbe. Dieses wurde aufgegriffen und in einer, im Rahmen eines F+E -Vorhabens erstellten, Machbarkeitsstudie weiter untersucht.


Nominierung deutscher Buchenwälder als Naturerbe:

Buchenwälder im Nationalpark Jasmund/Rügen (Bildautor: B. Engels)
Nationalpark Jasmund/Rügen (Bildautor: B. Engels)

Am 25.6.2011 hat das UNESCO -Welterbekomitee die Erweiterung der slowakisch-ukrainische Buchenwald-Weltnaturerbestätte (Buchenurwälder der Karpaten) durch das deutsche Buchenwaldcluster  "Alte Buchenwälder Deutschlands" anerkannt.

Zum  Projekt Weltnaturerbe Buchenwälder


Nominierung des Wattenmeeres:

Auf der 10. Trilateralen Regierungskonferenz zum Schutz des Wattenmeeres (Schiermonnikoog/Niederlande, November 2005) wurde eine gemeinsame deutsch-niederländische Anmeldung des Wattenmeeres als UNESCO Weltnaturerbe beschlossen. Diesem Beschluss waren regionale Konsultationen vorausgegangen. Eine bilaterale Projektgruppe hat das Nomierungsdossier vorbereitet, das zum 1. Februar 2008 beim Welterbezentrum in Paris eingereicht wurde. Die Arbeit wird durch das  Trilaterale Wattenmeersekretariat unterstützt. Ende Juni 2009 hat das UNESCO -Welterbekomitee das Wattenmeer in die Liste des Welterbes aufgenommen.

Im Juni 2011 hat das Welterbekomitee der Grenzänderung der Stätte und damit der Erweiterung um den Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer zugestimmt. 2014 wurde das Gebiet um den fehlenden dänischen Teil erweitert.

Mit der Nominierung des Wattenmeers als Weltnaturerbe kommen die drei Staaten hrer Verpflichtungen aus dem Welterbeübereinkommen nach. Das Wattenmeer ist ein bedeutendes Ökosystem, das grenzübergreifendes für heutige und zukünftige Generationen bewahrt wird.

Weitere Informationen unter:  Webseite Weltnaturerbe Wattenmeer


Aktivitäten im Rahmen der Alpenkonvention:

Nachdem das Welterbekomitee in den vergangenen Jahren mehrfach Nominierungen aus dem Alpenraum abgelehnt hat und immer wieder stärkere Zusammenarbeit der Alpenstaaten bei der Vorbereitung von Nominierungen fordert, haben die Alpenanrainer Anfang 2007 im Rahmen der Alpenkonvention eine Arbeitsgruppe gegründet. Hauptaufgabe der Arbeitsgruppe ist die bessere Abstimmung und Zusammenarbeit bei Welterbenominierungen aus dem Alpenraum. Dies soll dazu beitragen potenzielle Welterbestätten in den Alpen zu identifizieren und mit qualitativ hochwertigen Nominierungen, eine angemessene Repräsentation der Alpen in der Welterbeliste zu erreichen. Ein möglicher Beitrag Deutschlands zu einer seriellen Nominierung könnte dabei das Gebiet des Nationalparks Berchtesgaden leisten. Die Arbeitsgruppe hat dem Ständigen Ausschuss der Alpenkonvention zur XI. Alpenkonferenz einen Bericht vorgelegt. Aktuell befinden sich die  Alpinen und Voralpinen Wiesen-und Moorlandschaften (Bayern) als Kulturlandschaft auf der deutschen Vorschlagsliste zum Welterbe.


Publikationen:

Plachter, H., Kruse, A. und Kruckenberg, H. (2006): Screening potenzieller deutscher Naturwerte für das UNESCO -Welterbeübereinkommen.
 BfN-Skripten 177, 2006, pdf-Datei (2,9 MB)


Projektinformation:

Laufzeit: seit 2003

Programm: Forschungs- und Entwicklungsvorhaben

Projektpartner: Prof. Dr. Harald Plachter (Universität Marburg), Dr. Alexandra Kruse und Dr. Helmut Kruckenberg (Büro für Landschaft & Service), Buchenwaldinstitut e.V.


Projektmanagement im BfN:

Fachgebiet I 2.3 Internationaler Naturschutz
Kontakt: Barbara Engels ( barbara.engels@bfn.de)


Aktuelles

 Tagungsdokumentation "Natur trifft Kultur - Kultur trifft Natur" Erfahrungsaustausch UNESCO Weltnatur- und Kulturerbe in Deutschland, 30.05.2016

Letzte Änderung: 16.03.2017

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