Bundesamt für Naturschutz

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Projektsteckbrief Teufelskralle


Die Teufelskralle im südlichen Afrika
Erhaltung und nachhaltige Nutzung einer wertvollen Heilpflanze


Teufelskralle (Harpagophytum procumbens)

Teufelskralle-Knollen (Harpagophytum procumbens; Urheber: Uwe Schippmann)
Teufelskralle-Knollen (Harpagophytum procumbens; Urheber: Uwe Schippmann)

Name:

Der Name beruht auf den mit Widerhaken besetzten Früchten. Genutzt wird die Wurzelknolle. Die Pflanze gehört zu den Sesamgewächsen (Familie: Pedaliaceae).

Verwendung:

Wegen der entzündungshemmenden Wirkung wird die Pflanze als Tee-Droge oder in Phytopharmaka zur Behandlung von arthritischen Beschwerden und in der Rheuma-Therapie verwendet.


Verbreitung:

Trockengebiete des südlichen Afrika: Namibia, Botswana, Südafrika, Angola, Sambia, Simbabwe und Mosambik. Die Pflanzen sind nur in zwei Monaten des Jahres sichtbar und überdauern die Trockenzeit mit Hilfe ihrer Knollen im Boden.


Vorkommen:

Die Pflanzen besiedeln die Savannen in den trockenen Kalahari-Randgebieten mit nur 100-300 mm Niederschlag pro Jahr. Sie bilden eine Nahrungs- und Wasserreserve für Nutz- und Wildtiere. Die Pflanzen werden von Februar bis Mai gesammelt, wenn sie ausgetrieben haben und oberirdisch sichtbar sind.


Sammler:

Traditionelle Sammler sind die Buschmann-Völker der Kalahari-Gebiete (San, Damara). Die Teufelskralle wird von ihnen sowohl als traditionelle Medizin genutzt als auch zum Verkauf gesammelt. Häufig besteht hierin die einzige Einkommensquelle dieser ehemals nomadischen, heute sozial stark benachteiligten Volksgruppen.


Handel:

Deutschland ist der Hauptimporteur des aus Namibia, Botswana und Südafrika stammenden, wild gesammelten Teufelskrallen-Materials. 2002 wurden mehr als 1.000 Tonnen getrocknete Pflanzen ausgeführt. Die Tendenz war 1990-2000 stark steigend. Namibia ist Hauptausfuhrland.


Getrocknete Wurzelscheiben der Teufelskralle (Urheber: Uwe Schippmann)
Getrocknete Wurzelscheiben der Teufelskralle (Urheber: Uwe Schippmann)

Pflanzenteile:

Die seitlichen Wurzelknollen werden ausgegraben, in Scheiben geschnitten, getrocknet und kommen so in den Handel. Bei vorsichtiger Sammlung wächst die Pflanze mit ihrer Hauptwurzel weiter.


Gefährdung:

Durch unsachgemäße Sammeltechniken und Übernutzung sind die Bestände in den Sammelgebieten stark zurückgegangen. Wegen fehlender umfassender Bestandserhebungen ist unklar, in welchem Ausmaß die Art bereits gefährdet ist.


Projektförderung:

Mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und des Bundesamts für Naturschutz wurden zwischen 2000 und 2007 Maßnahmen gefördert, die die Voraussetzungen für eine nachhaltige Nutzung schaffen:
1) Erfassung der Gesamtverbreitung,
2) mehrjährige Untersuchungen zur Entwicklung nachhaltiger Erntetechniken,
3) Methodik zur Bestimmung nachhaltiger Erntequoten für ein Sammelgebiet,
4) Ausbildung der Sammler in den schonenden Sammelmethoden.

Ziel ist eine schonende und dauerhafte Wildsammlung dieser Pflanzen, bei der die traditionellen Sammler einen wirtschaftlichen Gewinn erzielen und deshalb zu ihrem Schutz beitragen. Die Buschmann-Gruppen sind daher die Garanten der Erhaltung nicht nur der Teufelskralle, sondern auch des gesamten Ökosystems. Ein Übergang zu einer vollständigen Bedarfssicherung aus Anbau, der von einigen Firmen angestrebt wird, aber noch nicht gelungen ist, würde sie dieser Möglichkeiten und Rolle berauben.


Schutz:

Am 28.04.2004 wurde Harpagophytum procumbens in Anhang D der EU-Verordnung Nr. 834/2004 aufgenommen, der durch die Pflicht zur Vorlage einer Einfuhrmeldung bei der Einfuhrzollbehörde eine Handelsbeobachtung ermöglicht.


Publikationen:

Strohbach, M. & Cole, D. (2007): Population Dynamics and Sustainable Harvesting of the Medicinal Plant Harpagophytum procumbens in Namibia
 BfN-Skripten 203 (3,3 MB)

Hachfeld, B. (2003):  Ecology and utilisation of Harpagophytum procumbens (Devil's Claw) in Southern Africa (Plant Species Conservation Monographs 2) Bundesamt für Naturschutz, Bonn. 272 S.

Hachfeld, B. & Schippmann, U. (2000): Conservation data sheet 2. Exploitation, trade and population status of Harpagophytum procumbens in Southern Africa. -  Medicinal Plant Conservation 6: S. 4-9.


Projektinformation:

Projektlaufzeit: 2000-2007

Projektpartner:  Centre for Research Information Action in Africa (CRIAA), Windhoek/Namibia;  Botanischer Verein zu Hamburg

Region: Namibia, Südafrika


Projektmanagement im BfN:

Fachgebiet II 1.2 Botanischer Artenschutz
Kontakt: Dr. Uwe Schippmann ( uwe.schippmann@bfn.de)


Linktipp

 Afrikanische Teufelskralle im WWF-Portal der bedrohten Arten

 

Aktuelles

Seit der 9. Vertragsstaatenkonferenz der CBD reist die Wanderausstellung  "Teufelskralle goes public" zu nachhaltiger Nutzung und gerechtem Vorteilsausgleich durch Deutschland.

Letzte Änderung: 01.06.2010

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