Bundesamt für Naturschutz

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Projektsteckbrief China

Bilaterale Zusammenarbeit mit China


Chinas Biodiversität

Der Große Panda - Chinas Flaggschiffart par excellence (Autor: Jürgen Nauber)

China gehört mit über 30.000 Arten höherer Pflanzen und 6.347 Wirbeltierarten weltweit zu den Ländern mit der reichhaltigsten biologischen Vielfalt. In dem Land, 26 mal größer als die Bundesrepublik Deutschland, leben etwa 10% der Pflanzenarten und 14% der Tierarten der Welt. China zählt zu den 17 megadiversen Ländern der Erde - Gebiete höchster Artenvielfalt der Tropen und Subtropen. Bei den höheren Pflanzen beispielsweise steht China mit ca. 32.000 Arten an dritter Stelle hinter Brasilien (56.000 Arten) und Kolumbien (51.000 Arten).

China gilt daher als herausragender Genpool für die biologische Vielfalt der Erde. Die Rolle der Biodiversität Chinas ist aber auch insbesondere im Zusammenhang mit Klimawandel und dem Schutz von Ökosystemdienstleistungen von globaler Bedeutung. Aufgrund seiner herausragenden Biodiversität ist China ein wichtiger Partner für Deutschland im Rahmen der internationalen Naturschutzkooperation.


Bedrohung der Vielfalt

Andererseits wächst Chinas Wirtschaft konstant – mit allen Konsequenzen, insbesondere für die Umwelt. Der ökologische Fußabdruck Chinas hat sich seit den 1960er Jahren verdoppelt. Inzwischen verbraucht die Volksrepublik China doppelt so viele Ressourcen als nachhaltig wäre. Einige Ökonomen in China schätzen, dass sich die Umweltschäden des Landes mittlerweile auf weit über 10% des Bruttosozialprodukts belaufen. Die Regierung in Peking hat daher den Umweltschutz im neuen Fünfjahresplan fest verankert. China, nach Indien das bevölkerungsreichste Land der Erde, hat zur Zeit den höchsten Verbrauch an Stahl, Kohle, Zement, Getreide oder Düngemittel und liegt auch beim Verbrauch von Öl und beim Ausstoß von Treibhausgasen inzwischen vor den USA auf dem ersten Platz. China hat zudem 22% der Weltbevölkerung zu ernähren. Das Land verfügt aber nur über 9% der weltweit landwirtschaftlich nutzbaren Fläche und 6% der Süßwasservorräte. Die Konsequenzen sind die Übernutzung der natürlichen Ressourcen, sinkende Grundwasserspiegel, erhöhte Luftverschmutzung, verseuchte Flüsse und schwindender Lebensraum für Chinas reiche Tier- und Pflanzenwelt.


Deutsch-chinesischer Erfahrungsaustausch in der Naturschutzpolitik

Deutsche und chinesische Wissenschaftler bei binationalem Workshop (Autor: GTZ)

Im Umweltbereich verbindet Deutschland und China bereits eine enge Zusammenarbeit, z. B. auf den Gebieten der erneuerbaren Energien, Energieffizienz, Abwasser- und Chemikalienmanagement sowie der Luftreinhaltung. Hingegen sind Biodiversitäts- und Naturschutzthemen bisher weniger aufgegriffen worden, was der Bedeutung Chinas als Megadiversitätsland und wichtiger Partner bei internationalen Verhandlungen nicht gerecht wird.

China ist sowohl für den Klimaschutz als auch für den Erhalt der Biodiversität von großer internationaler Bedeutung. Die chinesische Regierung hat die UN-Konventionen zum internationalen Klimaschutz ( UNFCCC) und zum globalen Erhalt der Biodiversität (  CBD ) unterzeichnet und begonnen politische Richtlinien für einen nachhaltigen Klimaschutz und für den Erhalt der Biodiversität zu entwickeln und umzusetzen. Hindernisse bei einer effektiven Umsetzung von politischen Richtlinien sind jedoch oft unzureichend aufgearbeitete oder fehlende wissenschaftlich basierte Informationen und deren nachhaltige Implementierung auf den verschiedenen Ebenen in Politik, Wirtschaft und der Zivilgesellschaft.

Gerade für die Zusammenarbeit mit China, das sich im Moment dabei befindet, seine Schutzgebiete komplett zu erfassen, sie besonders unter Klimaaspekten zu bewerten und Aspekte nachhaltiger Landnutzung umzusetzen, kann sich die naturschutzfachliche Beratungsarbeit des BfN als besonders nachhaltig erweisen. Ein intensiver bilateraler Austausch bietet sich an. Die vielfältigen Erfahrungen Deutschlands z.B. in den Bereichen Biodiversitätsmonitoring, Schutzgebietsmanagement, nachhaltiger Landnutzung etc. können für China von großer Bedeutung sein.

Durch die gute bestehende und enge Zusammenarbeit des BfN mit chinesischen Organisationen wie CRAES ergibt sich die große Chance, Entwicklungen im Naturschutz in China in naturräumlich bedeutenden Regionen zu beeinflussen.


CRAES - Unser Kooperationspartner in China

Der Vizepräsident von CRAES Shu Jianmin bei Bonner BfN-Tagung (Autorin: Susanne Lehmann)

Die  Chinese Research Academy of Environmental Sciences (CRAES) ist eine Forschungseinrichtung, die dem im Jahr 2008 neu eingerichteten  chinesischen Umweltministerium zugeordnet ist. Zu den Aufgaben von CRAES zählen unter anderem auch angewandte Forschung, Politikberatung und technische Unterstützung bei der Umsetzung der nationalen politischen Richtlinien zu Klimaschutz und -wandel sowie zum Erhalt der Biodiversität. Bei mehreren Vorhaben mit dem primären Fokus Biodiversität (Schutzgebietsmanagement, Monitoring- und Evaluationsindikatoren für Biodiversität; Erhalt artenreicher, kohlenstoffspeichernder Ökosysteme) arbeitet CRAES eng mit dem BfN zusammen.



Zukünftige Kooperationen

Anknüpfend an die intensive Zusammenarbeit mit CRAES in den Bereichen Biodiversität / Klimawandel / Ökosystemdienstleistungen sollen auch weitere chinesische Institutionen sowie weitere deutsche und europäische Partner künftig zunehmend in die Kooperation einbezogen werden. Dadurch wird ein breites Forum für den Vergleich von Methoden und Ansätzen geschaffen und die Netzwerkbildung im Zusammenhang mit den genannten Themen gefördert.


Das EU-China-Biodiversitätsprogramm

Das  EU-China Biodiversity Programme (ECBP) ist mit 51 Mio. Euro das größte EU-Auslandsprogramm zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. Es ist eine gemeinsame Initiative zwischen der Europäischen Union (EU), dem chinesischen Ministerium für Handel (MOFCOM), dem United Nation Development Programme (UNDP) und dem Ministerium für Umweltschutz der Volksrepublik China (MEP). Das Programm wurde im Juni 2005 lanciert und hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Es zielt darauf ab, spezifische Ökosysteme in China durch verbessertes Biodiversitätsmanagement zu bewahren. Es soll weiterhin die Kapazitäten des 2008 neu geschaffenen Umweltministerium MEP stärken, das als Sekretariat des chinesischen Lenkungsausschuss dafür zuständig ist, das Übereinkommen über die biologische Vielfalt ( CBD ) und wirksame Systeme zur Überwachung und Evaluierung in China umzusetzen. In 18 Projekten werden innovative und reproduzierbare Mechanismen entwickelt, die auf Themen wie Ökosystemmanagement und Planung und Integration von Biodiversitätsthemen in politische Strategien ausgerichtet sind.


Projektinformation:

Laufzeit: seit 2007

Programm: Internationaler Titel des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), F+E -Vorhaben

Region: China

Projektpartner: CRAES


Projektmanagement im BfN:

Fachgebiet I 2.3 Internationaler Naturschutz
Kontakt:  Lennart Kümper-Schlake


Literatur

Eine Literaturliste mit ausgewählter Literatur und weiterführenden Links zu Umweltpolitik und Biodiversität in China ist online verfügbar:  Literaturliste

 

Letzte Änderung: 30.01.2017

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