Bundesamt für Naturschutz

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Projektsteckbrief Russland

Bilaterale Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation


Russlands Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen

Baikalrobben (Bild: Björn-Ingmar Luz)
Zwei Baikalrobben auf einem Fels im See.

Das flächenmäßig größte Land der Erde beherbergt durch seine enorme Ausdehnung eine hohe Vielfalt an Flora und Fauna. Die russischen Wälder bilden das größte zusammenhängende Waldgebiet der Erde und bieten intakte Refugien für Großsäuger wie Elche, Braunbären, Wölfe und Luchse, die nach ihrer Ausrottung in Deutschland nun wieder nach Mitteleuropa zurückkehren. Zudem stellen die Wälder zusammen mit den zahlreichen Mooren, die rund acht Prozent der Landesfläche bedecken, beachtliche Kohlenstoffspeicher von globaler Bedeutung dar. Mit dem Kaukasus, dessen nördlicher Teil sich auf Russland erstreckt, befindet sich außerdem einer von weltweit 34 Biodiverstäts-Hotspots im Land.


Bedrohungen für die Natur

Altaigebirge (Bild: Alexey Butorin)
Fluss in der Ebene, im Hintergrund schneebedecktes Gebirge

Die Biodiversität Russlands ist massiv bedroht. Abholzug und Waldbrände haben Urwaldgebiete auf 29% der ursprünglichen Flächen dezimiert. Zudem wurden insbesondere im europäischen Teil Russlands Moore trockengelegt. Diese großflächige Zerstörung von CO2-Senken trägt zur Erderwärmung bei, die zum Auftauen der Permafrostböden führt. Dabei wird Methan, ein weiteres Treibhausgas, freigesetzt. Das Altai-Gebirge hatte in den letzten 50 Jahren einen dramatischen Temperaturanstieg von 2,8°C zu verzeichnen. Wie wichtig die Stärkung der Rolle des Naturschutzes in Russland ist, zeigt der Baikalsee. Nachdem der älteste und tiefste See der Erde lange Zeit von industrieller Umweltverschmutzung stark bedroht wurde, hat die UNESCO ihn 1986 als  Biosphärenreservat und 1996 als  Weltnaturerbe anerkannt.


Hintergrund

Kooperationspartner (Bild: Björn-Ingmar Luz)
Zwei Kooperationspartner stehen neben einer Plakatwand.

Die langjährige Zusammenarbeit zwischen der Russischen Föderation (RF) und Deutschland im Naturschutz basiert auf dem Deutsch-Russischen Regierungsabkommen zum Umwelt- und Naturschutz von 1992. Neue Aktivitäten werden in den jährlichen Tagungen vereinbart. 1996 wurde die Ständige Deutsch-Russische Arbeitsgruppe „Naturschutz und Biologische Vielfalt“ eingerichtet, die gegenseitigen intensiven Austausch und Kooperation in diesem Bereich sicherstellt.

Die Aktivitäten der deutsch-russischen Zusammenarbeit konzentrieren sich auf drei Regionen: Baikalsee, Altai und Ostseeraum.

Die Umsetzung der Vereinbarungen der Arbeitsgruppe erfolgt über Projekte, Tagungen, Capacity Building sowie durch die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von staatlichen und nicht-staatlichen Partnern, darunter:


Zentrale Aktivitäten des BfN in Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation

Die Schwerpunkte der Kooperation liegen auf der Entwicklung von Konzepten und Instrumenten für den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Natur und Landschaft, Schutzgebietsentwicklung sowie der Umweltbildung. Dazu gehören die:

  • Ausweisung von Schutzgebieten und Entwicklung von Managementkonzepten, insbesondere  Nominierungen von UNESCO -Weltnaturerbegebieten (z.B. Baikalsee, Kurische Nehrung, Altai-Goldene Berge) und UNESCO -Biosphärenreservaten (z.B. Altai-Sayan – in Vorbereitung);
  • Einführung und Anwendung der Landschaftsplanung (z.B. Erstellung von Handbüchern und Kompendien);
  • Capacity-Building und internationaler Wissenstransfer zu Naturschutzinstrumenten und -konzepten;
  • Weiterentwicklung der russischen Ökologischen Expertise und UVP;
  • Unterstützung politischer Entscheidungen (z.B. zur Verlegung der Baikal-Pipeline);
  • Unterstützung der Gesetzesplanung der RF (z.B. Baikalgesetz, Städtebaukodex);
  • Nachhaltige Tourismusentwicklung;
  • Umweltbildung und -information im Rahmen der CBD ;
  • Hochschulzusammenarbeit (z.B. Errichtung von Lehrstühlen der Landschaftsplanung an Universitäten der RF);
  • Vernetzung mit wichtigen Akteuren (so z.B. Michail Gorbatschow).

Geplante Projekte

  • Anpassung der biologischen Vielfalt an den Klimawandel in der Ökoregion Altai-Sayan;
  •  TEEB (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) Russland;
  • Nominierung der Daurischen Steppe als grenzüberschreitendes UNESCO -Weltnaturerbegebiet (Russland, Mongolei);
  • Förderung grenzüberschreitender Biosphärenreservate im Ostsee-Raum und im Altai;
  • Schutz der Saiga-Antilope und ihrer Wanderwege;
  • Schutz des Feuchtgebietssystems Polesien (Russland, Ukraine, Weißrussland);
  • Umweltfolgenabschätzung für Eingriffe in die Biodiversität in Russland;
  • ökologisch orientierte Territorialplanung für die Russische Föderation.

Projektmanagement im BfN:

Fachgebiet I 2.3 Internationaler Naturschutz
Kontakt:  Heinrich Schmauder


Letzte Änderung: 30.01.2017

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