Bundesamt für Naturschutz

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Naturschutzgroßprojekt „Obere Ahr-Hocheifel“

Hintergrund

Logo der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt

Um den Verlust an biologischer Vielfalt zu stoppen, beschloss das Kabinett im Jahr 2007 die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt. Diese umfassende und sehr anspruchsvolle Strategie hat auch international viel Anerkennung erfahren, weil sie zukunftsorientierte Visionen und konkrete Ziele für alle biodiversitätsrelevanten Bereiche enthält. Im Hinblick auf Fließgewässer und Auen definiert sie das übergeordnete Ziel, diese in ihrer Funktion als Lebensraum bis 2020 soweit zu sichern, dass eine für Deutschland naturraumtypische Vielfalt gewährleistet ist.

Wie gefährdet die Auen sind, zeigt der Ende 2009 vom BfN gemeinsam mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vorgelegte bundesweite Auenzustandsbericht. Daraus geht hervor, dass rund zwei Drittel der ehemaligen Überschwemmungsflächen an den Flüssen in Deutschland vernichtet worden sind. An Rhein, Elbe und Donau sind durch den Bau von Hochwasserschutzdeichen an vielen Abschnitten nur noch 10 bis 20 Prozent der ehemaligen Auen vorhanden. Zudem befinden sich nur 10 Prozent der noch vorhandenen Flussauen in Deutschland in einem naturnahen Zustand. 90 Prozent der untersuchten Auen sind auf Grund der intensiven Nutzung, ausbleibenden Überflutungen und Gewässerausbau deutlich bis sehr stark verändert. Die Nationale Biodiversitätsstrategie sieht in einer naturnahen Gewässerstruktur, der Wiederanbindung der Auen an die Gewässer und einem auentypischen Gewässerhaushalt wesentliche Voraussetzungen für eine naturraumtypische biologische Vielfalt und den vorbeugenden Hochwasserschutz.

Das Projekt

Am Armuthsbach ist die natürliche Fließgewässerdynamik noch in beeindruckender Weise ausgeprägt; hier Altarmstruktur. Foto: Jochen Mölle
Altarmstruktur

Das Projektgebiet „Obere Ahr-Hocheifel“ ist Teil einer Mittelgebirgsregion mit geringer Bevölkerungsdichte und hohem Waldanteil. Ein besonderes Merkmal der darin eingebetteten offenen Wiesentäler ist ihre Abgeschiedenheit auf mehreren Kilometern Länge – heute eine Seltenheit. Das rund 3287 ha große Kerngebiet weist für den Naturschutz eine hohe Bedeutung auf. Die Fließgewässer sind häufig noch naturnah ausgeprägt und bieten vielfältige Habitate für eine artenreiche Tierwelt. Ein Hinweis auf den hohen Wert der strukturreichen Gewässer im Kerngebiet sind die guten Bestände der Fließgewässerleitarten Eisvogel, Wasseramsel sowie Gebirgsstelze. Ein Qualitätsmerkmal der artenreichen Grünlandtypen des Gebietes ist eine überdurchschnittlich artenreiche Tagfalterfauna. Auf ungedüngten Wiesen findet man im Frühjahr u. a. das breitblättrige und das gefleckte Knabenkraut. Der Schwarzstorch, der als Indikatorart für störungsarme Wälder gilt, hat im Projektgebiet mehrere Kernlebensräume. Bemerkenswert sind auch die Vorkommen der bundesweit gefährdeten Wildkatze.

Ziel des Vorhabens „Obere Ahr-Hocheifel“ ist der Schutz und die naturnahe, eigendynamische Entwicklung des Gewässersystems der Oberen Ahr in Rheinland-Pfalz. Dazu gehören neben den Gewässern selbst auch die angrenzenden Niederungen mit vielfach extensiver Grünlandnutzung. Dieser reich strukturierte ökologische Gesamtkomplex soll als Lebensraum für die charakteristischen naturraumtypischen Pflanzen- und Tierarten erhalten und entwickelt werden.


Ausblick

Der räuberische Bachhaft (Osmylus fulvicephalus) ist im Kerngebiet des Projekts nicht selten. Foto: Jochen Mölle
Der Europäische Bachhaft (Osmylus fulvicephalus), früher auch Wasserameisenlöwen-Jungfer genannt

Im Oktober 2012 wurde die Umsetzungsphase (Phase II) des Vorhabens offiziell gestartet. Neben dem Grunderwerb ist die Beseitigung von Ufer- und Sohlverbau, die eigendynamische Wiederherstellung eines naturnahen, gekrümmten Gewässerverlaufs auf begradigten Strecken und die Entwicklung und Sicherung von Gewässerrandstreifen vorgesehen. Zudem werden Altarme und Auengewässern reaktiviert und Wanderbarrieren in den Nebenbächen der Ahr entfernt. Darüber hinaus werden im Rahmen des Projektes Auenflächen wieder vernässt, nährstoffreiche Wiesen ausgemagert, brachgefallene Flächen in extensive Nutzung genommen oder Acker in Grünland umgewandelt.

Für die Durchführung der Maßnahmen in der Phase II des Projektes wird ein Finanzvolumen von rund 9,3 Mio. € benötigt. Davon trägt der Bund über 6,3 Mio. €, das sind 68 % der erforderlichen Kosten. Weitere Finanzmittel werden vom Land Rheinland-Pfalz (2,1 Mio. €) und vom Kreis Ahrweiler (0,9 Mio. €) als Projektträger bereitgestellt. Im Hauptstrom der Ahr wird mit zusätzlichen Mitteln des Landes und des Kreises Ahrweiler auf einer Länge von 70 km, von der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen bis zur Mündung in den Rhein, durch den Rückbau von Querbauwerken die Durchgängigkeit für Fische und andere Gewässerorganismen vollständig wiederhergestellt.

Publikationen

  • Mölle, J. (2011): Naturschutzgroßprojekt „Obere Ahr-Hocheifel“, Rheinland-Pfalz – ein Beitrag zum Erhalt wertvoller Eifeltäler im Einzugsgebiet der Oberen Ahr. Natur und Landschaft 86 (5): 196 – 203
  •  http://www.obere-ahr-hocheifel.de

Laufzeit

November 2007 bis Juli 2021