Bundesamt für Naturschutz

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Evaluierung der deutschen Nationalparke

Hintergrund

Titelbild der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt
Titelbild der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt

Gemäß dem Schutzgebietsprogramm der Konvention über die biologische Vielfalt ( CBD ) aus dem Jahre 2004 sollen bis 2015 Evaluierungen der Managementeffektivität für mindestens 60 % der Schutzgebiete (bezogen auf die Schutzgebiets-Gesamtfläche jedes Unterzeichnerstaates) durchgeführt werden.

Die Nationale Biodiversitätsstrategie sieht vor, dass es in Deutschland wieder faszinierende Wildnisgebiete (z.B. in Nationalparken) geben soll, in denen Entwicklungsprozesse natürlich und ungestört ablaufen sollen. Bis zum Jahre 2020 soll sich die Natur auf mindestens 2% der Landesfläche Deutschlands wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln. Nationalparke spielen im Hinblick auf die Erreichung dieses Ziels eine wichtige Rolle. Entsprechend sieht die Nationale Biodiversitätsstrategie die Ausweisung weiterer Nationalparke vor, deren Wildnisanteil sich zudem am IUCN- Standard von 75% orientieren soll.

Das Projekt

Wildnisentwicklung im Nationalpark Bayerischer Wald (Foto: Thomas Michler)
Wildnisentwicklung im Nationalpark Bayerischer Wald (Foto: Thomas Michler)

Diese Vorgaben und weitere Bedarfe veranlassten EUROPARC-Deutschland als Dachverband der Nationalen Naturlandschaften dazu, zunächst im Zeitraum 2005-2008 Qualitätskriterien und -standards für die deutschen Nationalparke zu entwickeln (ebenfalls in einem vom BfN/BMU- geförderten F+E -Vorhaben). Darauf aufbauend werden nun die deutschen Nationalparks auf der Basis dieser Qualitätsstandards bis 2012 evaluiert. Die Evaluation soll dazu dienen, zu überprüfen, inwieweit die formulierten Standards schon erfüllt sind oder Hinweise zu erlangen, in welchen Bereichen die Nationalparke sich noch verbessern können. Deutschland nimmt damit international eine Vorreiterfunktion ein. 

Alle 14 deutschen Nationalparks bzw. die involvierten Bundesländer beteiligen sich an der Evaluierung und bewerten das Verfahren einer Stärken-Schwächen-Analyse als wertvolle Unterstützung für die Arbeit.

Die zu erstellenden Evaluierungsberichte basieren zunächst auf den von den Parks zu beantwortenden Fragebögen. Sie gehen auf alle Handlungsfelder gemäß den von EUROPARC entwickelten Qualitätskriterien und -standards ein. Der Evaluierungsbericht befasst sich mit jedem der 44 Qualitätsstandards anhand folgender Punkte:

  • Beschreibung des Standards (SOLL)
  • Situation im Park (IST) bezogen auf den Standard
  • Benennung von Stärken und Schwächen bezogen auf den Standard
  • Maßnahmenvorschläge (inkl. Prioritäten) bezogen auf den Standard

Basierend auf dem daraufhin erstellten Berichtsentwurf eines von EUROPARC beauftragten Planungsbüros erfolgt in einem weiteren Schritt eine Gebietsbereisung des speziell für das Vorhaben auserwählten externen Komitees. Diesem Evaluierungskomitee gehören Vertreter der LANA, des Bundes, der Wissenschaft, der Verbände, der AG Nationalparke und von EUROPARC-Deutschland an.

Das Komitee führt zunächst eine ½ -tägige Gebietsbereisung im Gelände durch und diskutiert danach einen Tag lang mit Vertretern des Nationalparks, des Landes sowie weiterer Stakeholder diverse offene Punkte vor Ort. Daraufhin überarbeitet es den Entwurf des „Büro-Berichts“ (s.o.) in einem mehrstufigen Prozess. Der Umfang der fertigen Komitee-Berichte pro Nationalpark umfasst dann letztlich rd. 50 Seiten.

Bisher hat eine Bereisung aller  Nationalparke durch das Komitee stattgefunden; fertige Evaluierungsberichte liegen bereits für die Nationalparke Vorpommersche Boddenlandschaft, Jasmund, Unteres Odertal, Eifel, Kellerwald-Edersee und Berchtesgaden vor.  Eine Veröffentlichung ist den Ländern bzw. einzelnen Parks freigestellt.

Auch im Winter war das Komitee im Gelände (hier im NLP Unteres Odertal), Foto: Andrea Hoffmann
Evaluierungskomitee auf dem Baumkronenpfad des Nationalparkes Hainich, Foto: NLP-Verwaltung Hainich

Ausblick

Zum Abschluss des Vorhabens ist eine Querschnittsauswertung der Evaluierungsergebnisse und Veröffentlichung wesentlicher Ergebnisse dieser Querschnittsauswertung durch EUROPARC mit Hilfe des Komitees vorgesehen, um übergreifende Stärken und Schwächen der deutschen Nationalparks zu beschreiben. Vorgesehen ist des Weiteren eine englischsprachige Broschüre zum Vorhaben, um das Verfahren und die damit gesammelten guten Erfahrungen auch international bekannt zu machen.

Publikationen / weiterführende Links

EUROPARC-Deutschland (2008): Qualitätskriterien und -standards für deutsche Nationalparke. – Berlin, 92 S.

 www.nationale-naturlandschaften.de/infothek

 Webseite EUROPARC

 Themenschwerpunkt Gebietsschutz / Nationalparke

Laufzeit

Mai 2009 – April 2012

Förderprogramm

Forschungs- und Entwicklungsvorhaben ( F+E )

Projektträger

 EUROPARC-Deutschland e.V.

Friedrichstr. 60

10117 Berlin

Beteiligte Partner

  • Nationalparkverwaltungen
  • Vertreter der für Nationalparke zuständigen Landesministerien
  • Evaluierungskomitee

Fachbetreuung

 Dr. Volker Scherfose

FG Gebietsschutz/Großschutzgebie

 

Evaluierungskomitee vor Ort im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, Foto: Martin Stock
Evaluierungskomitee vor Ort im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Der Nationalpark Sächsische Schweiz ist ein beliebtes Ausflugsziel – der Naturdynamikanteil liegt allerdings noch deutlich unter 50% (Foto: Volker Scherfose)
Blick auf den Nationalpark Sächsische Schweiz

Letzte Änderung: 28.11.2011

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