Bundesamt für Naturschutz

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Auswirkungen des Klimawandels auf die Fauna in Deutschland

Hintergrund

Titelbild des Buchpublikation (NaBiv98)

Der Themenbereich „Biodiversität und Klimawandel“ gehört zu den wichtigsten Aktionsfeldern der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt.

Klimawandel genießt nach wie vor große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und gewinnt zunehmend an Bedeutung. Es werden allerdings vorwiegend Zuwanderer und „Gewinner“ des Klimawandels betrachtet weniger die auch existierenden "Verlierer". Es fehlte zudem eine Konzeption für künftige Maßnahmen bezogen auf Tiere, insbesondere für geschützte Arten und solche, für die Deutschland eine besondere Erhaltungsverantwortlichkeit besitzt, da bei uns wichtige Anteile ihrer Weltpopulation vorkommen. Hierfür Prioritäten und Vorschläge zu entwickeln war ein Ziel des Projektes.

Das Projekt

Die Projektergebnisse bieten eine Übersicht über aktuelle Veröffentlichungen zum Thema, Ergebnisse einer Fragebogenaktion unter Klimaforschern zu potentiellen Auswirkungen des Klimawandels auf die gesamte Fauna Deutschlands sowie eine Klimasensibilitätsanalyse für über 500 vordringlich zu behandelnde Zielarten des zoologischen Artenschutzes. Besonders viele Arten, die aufgrund des Klimawandels einem höheren Risiko ausgesetzt sind, finden sich demnach bei den Schnecken und den Schmetterlingen. Aus den Ergebnissen der Studie werden Handlungs- und Forschungsbedarf für den zoologischen Artenschutz aber auch den Naturschutz insgesamt abgeleitet. Beispielsweise kommt dem Erhalt intakter Moore eine hohe Priorität für den Klima- wie für den Artenschutz zu.

Als Zielarten vertiefter Analysen wurden gesetzlich streng geschützte Arten, Arten der Anhänge II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ( FFH )-Richtlinie der EU sowie Arten einer vom Bundesamt für Naturschutz erstellten Auswahl von Tierarten, für die Deutschland eine hohe globale Erhaltungs-Verantwortlichkeit besitzt, ausgewählt.

Für diese über 500 Arten und Unterarten wurde mit einer in der Studie entwickelten Klimasensibilitätsanalyse (KSA) das Klimawandelrisiko bewertet. Dazu wurden 8 Kriterien verwendet, die klimarelevante Eigenschaften der Arten erfassen und ein-heitlich gewichten. In einigen Fällen wurde eine Experteneinschätzung durchgeführt. Die überwiegende Mehrheit der betrachteten Arten (77 %) wurde hinsichtlich ihrer Klimasensibilität der mittleren Risikostufe zugeordnet, für 55 Arten (11 %) wurde ein geringes Risiko und für 63 Arten (12 %) ein hohes Risiko (HR) festgestellt. Die meisten Hochrisiko-Arten (HR-Arten) wurden in der Gruppe der Schmetterlinge (Tag- und Nachtfalter), gefolgt von Weichtieren und Käfern, festgestellt. Naturräume mit besonders vielen Klimasensiblen Arten wurden in Süd-, Südwest- und Nordostdeutschland identifiziert.

 

Abb.1: Prozentualer Vergleich der vereinfachten Biotopbindung der HR-Arten (n = 63) und der nicht HR-Arten (n = 449) (mit Mehrfachnennungen). „Andere“ Biotope umfassen zum Beispiel Weingärten, Röhrichte, Gebirgsrasen sowie marine Lebensräume
 Datentabelle zur Abbildung
Abbildung 1 zeigt  einen Vergleich der klassifizierten Lebensraumbindung von HR-Arten und Zielarten ohne besonders hohes Risiko, von negativen Auswirkungen des Klimawandels betroffen zu werden (nicht HR-Arten).

Herr Wolfgang Rabitsch vor einem Poster mit den Inhalten des Projektes bei einer Präsentation auf dem 2. Statusseminar des BfN zum Klimawandel
Foto des Forschungsnehmers, Herrn Rabitsch, vor dem deutschsprachigen Poster, das auf der 2. Forschungskonferenz präsentiert wurde

Auf der ersten und zweiten BfN-Forschungskonferenz „Biologische Vielfalt und Klimawandel“ sowie bei der Tagung der Konvention über die Biologische Vielfalt in Nairobi 2010 wurden Konzept und Ergebnisse des Projektes vorgestellt.

 

 

 

 

 

Ausblick

Ein neues F+E -Projekt, das im Herbst 2011 beginnen soll (Ende 2013), ist vorgesehen, um Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen des Vorgängerprojektes zu ziehen und eine in der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt genannte Maßnahme zur Umsetzung von Handlungszielen -  die Erhöhung der Anpassungspassungsfähigkeit an den Klimawandel - hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit für Hochrisikoarten zu prüfen.

Im Rahmen des Vorhabens soll die Anpassungskapazität ausgewählter prioritärer Arten (30-50) in Hinblick auf potentielle Habitatänderungen durch Klimawandel in Deutschland ermittelt und analysiert werden. Grundlage sind die bekannten Klimaszenarien des IPCC und Ergebnisse zu Tier- und Pflanzenarten aus Vorläufer F+E -Vorhaben. Darauf aufbauend sollen angemessene Reaktionen bzw. Maßnahmen des Naturschutzes entwickelt und fachlich fundiert abgeleitet werden.

Publikationen / weiterführende Links

  • Rabitsch, W (2010): Auswirkungen des rezenten Klimawandels auf die Fauna in Deutschland.
     Vortrag auf der 2. BfN-Forschungskonferenz „Biologische Vielfalt und Klimawandel"
  • RABITSCH, W., WINTER, M., KÜHN, E., KÜHN, I., ESSL, F. & GRUTTKE, H. (2010): Effects of climate change on German fauna species of conservation priority: a contribution of safeguard and restore biodiversity. In: SECRETARIAT OF THE CONVENTION ON BIOLOGICAL DIVERSITY (Hrsg.): Biodiversity and climate change: achieving the 2020 targets: abstracts of posters presented at the 14th meeting of the Subsidiary Body on Scientific, Technical and Technological Ad-vice of the Convention on Biological Diversity, 10-21 May 2010, Nairobi, Kenya. - Montreal (Secretariat of the Convention on Biological Diversity), 99-101.
     Gesamtband
  • RABITSCH, W., WINTER, M., KÜHN, E., KÜHN, I., ESSL, F. & GRUTTKE, H. (2010): Auswirkungen des rezenten Klimawandels auf die Fauna in Deutschland. - In: EPPLE, C., KORN, H., KRAUS, K. & STADLER, J. (Bearb.): Biologische Vielfalt und Klimawandel. - Bonn-Bad Godesberg (Bundesamt für Naturschutz), BfN-Skripten 274, S. 75
     Gesamtband
  • RABITSCH, W., WINTER, M., KÜHN, E., KÜHN, I., GÖTZL, M., ESSL, F. & GRUTTKE, H. (2010): Auswirkungen des rezenten Klimawandels auf die Fauna in Deutschland. - Bonn-Bad Godesberg (Bundesamt für Naturschutz), Naturschutz und Biologische Vielfalt 98, 265 S.
    Bezug über:  BfN-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag Münster
  •  Pressemitteilung des BfN vom 18. März 2011

Laufzeit

September 2008 bis 2010 (publizierte Endfassung);
Fortentwicklung  Konzept (BfN) 2011 – 2013.

Förderprogramm

  • Forschungs- und Entwicklungsvorhaben
  • Außerdem: BfN-Eigenbeiträge

Projektträger

Umweltbundesamt GmbH, Wien (Österreich)

Beteiligte Partner

  • Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Halle/Leipzig; Unterauftragnehmer
  • Forschungsinstitutionen und Gutachterbüros sowie einzelne Experten (Fragebogenabfrage, Befragung)
  • Bundesamt für Naturschutz

Fachbetreuung

 FG II 1.1

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Hochrisikoart (HR-Art) Salamandra atra – den Alpensalmander, Foto: Thomas Huntke
Hochrisikoart Bryodemella tuberculata – die gefleckte Schnarrschrecke; Foto: Dr. Eduardas Budrys