Bundesamt für Naturschutz

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Aktualisierung der Bestandsaufnahme Grünes Band

Hintergrund

Das Grüne Band ist ein Lebensraumverbund in teilweise intensiv genutzter Landschaft, wie hier an der Grenze Thüringen-Hessen zwischen Dippach und Obersuhl; Foto: Klaus Leidorf
Naturschutzflächen inmitten einer intensiv genutzten Landschaft

Das Grüne Band entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze ist mit 1.393 Kilometern Länge der längste nationale Biotopverbund Deutschlands, und zeichnet sich durch eine hohe Vielfalt an größtenteils gefährdeten Biotoptypen aus. Es durchzieht fast alle in Deutschland vorkommenden Großlandschaften – von der Ostsee bis zum sächsisch-bayerischen Vogtland. Neben seiner Funktion als länderübergreifender, nationaler Biotopverbund ist das Grüne Band Deutschland auch ein wichtiger Teil des Grünen Bandes Europa. Aufgrund der zentralen Lage Deutschlands in Europa und der intensiv genutzten deutschen bzw. mitteleuropäischen Landschaft ist die Erhaltung dieses Lebensraumverbundes von besonderer Bedeutung für ein paneuropäisches Biotopverbundsystem. 

Das Grüne Band Deutschland leistet einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des § 21 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) zum länderübergreifenden Biotopverbund, wurde in der Nationalen Biodiversitätsstrategie als Leuchtturmprojekt zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland hervorgehoben und ist zudem Teil des Nationalen Naturerbes (NNE). 

Trotzdem gibt es noch keine übergreifenden Managementkonzepte für das gesamte Grüne Band Deutschland. Ein durchgehender Schutz und eine abgestimmte Biotoppflege sind für den Erhalt des Biotopverbunds jedoch unverzichtbar. Um das Grüne Band langfristig als Netzwerk wertvoller Lebensräume erhalten und entwickeln zu können, sind deshalb einheitliche Datengrundlagen, Leitbilder und übergreifende Managementkonzepte dringend erforderlich. 

Im Jahr 2001 wurden im Zuge des E+E -Vorhaben „Bestandsaufnahme Grünes Band“ zum ersten Mal Leitbilder und Managementkonzepte für die Flächen am Grünen Band erstellt. Seit damals sind in großen Teilen des Grünen Bandes erhebliche Veränderungen eingetreten, besonders in den Offenlandbereichen. Die Funktion des Grünen Bandes als Biotopverbund und Teil des NNE kann jedoch nur erhalten und entwickelt werden, wenn der aktuelle Zustand bekannt ist, hieraus adäquate Maßnahmenvorschläge abgeleitet und ggf. auftretende Bedrohungen rechtzeitig erkannt werden. Folglich war eine Aktualisierung der Bestandsaufnahme erforderlich, um die Managementkonzepte an die sich verändernden Bedingungen anpassen zu können.

Das Projekt

Das F+E -Vorhaben diente vorrangig dazu, 

  • das Wissen um den Erhaltungszustand und die Biotoptypenausstattung insbesondere in den Offenlandbereichen des Grünen Bandes zu aktualisieren, in denen die größten Veränderungen gegenüber der Kartierung von 2001 (BN/BUND 2002) zu erwarten waren,
  • auf Basis der aktualisierten Biotoptypenkartierung eine erneute Bewertung des Biotopbestands nach der Roten Liste für Deutschlands Biotoptypen (2006) vorzunehmen und ggf. angepasste Maßnahmenvorschläge zu liefern, sowie 
  • eine aktuelle, flächengenaue GIS-basierte Referenzbasis als Grundlage für ein langfristiges Beobachtungssystem zu erstellen und einen methodischen Vorschlag für eine langfristige Beobachtung und Analyse der Entwicklung des Flächenzustands im Grünen Band auszuarbeiten.

Das Grüne Band weist auf 13% seiner Länge Lücken im Biotopverbund auf, wie hier an der Bayerisch-Thüringischen Grenze zwischen Feilitzsch und Gefell. Das Grüne Band (unterer Bildrand, Mitte) wird durch eine Ackerfläche unterbrochen; Foto: Klaus Leidorf.
lückenhafte Naturschutzflächen in intensiv genutzter Landschaft

Das Untersuchungsgebiet des F+E -Vorhabens umfasste das zentrale Grüne Band, die Fläche zwischen dem so genannten Kolonnenweg und der ehemaligen Staatsgrenze DDR-BRD. Der Schwerpunkt der Untersuchung lag in den Bereichen des zentralen Grünen Bandes, in denen die größten Veränderungen gegenüber der Kartierung von 2001 (BN/BUND 2002) zu erwarten waren. Dies betraf vor allem das Offenland. Eine Bilanz und Analyse der Veränderungen gegenüber der Erhebung 2001 sollte wichtige Anhaltspunkte für die Entwicklung angepasster Entwicklungsziele und Maßnahmenvorschläge liefern. Letztere wurden ebenso wie der Vorschlag für das langfristige Beobachtungssystem mit den wichtigsten Flächenbesitzern und Akteuren am Grünen Band abgestimmt, damit sie allgemein akzeptiert und in der Praxis umgesetzt bzw. angewendet werden.


Ergebnisse und Ausblick

Flächenbilanz der Biotopgruppen 2012 - Zahlen siehe Datentabelle

Die aktualisierte Bestandsaufnahme lieferte exakte Daten zum Vorkommen verschiedener Biotoptypen am Grünen Band Deutschland. Insgesamt 146 verschiedene Biotoptypen mit weiteren 56 Unterausprägungen wurden im Grünen Band kartiert. Die Biotopvielfalt reicht von Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden über artenreiches Feucht- und Nassgrünland bis hin zu Binnendünen und Sandmagerrasen. Extensiv genutztes mesophiles Grünland ist der dominierende Biotoptyp (14,9 %), danach folgen Fließgewässer- und Uferkomplexe (11,8 %, z. B. Elbe, Oker, Aller, Werra) in der Flächenbilanz. Pionierwald macht 9,7 % aus, naturnahe und strukturreiche Standgewässer 9,2 % (z. B. Schaalsee). Misch- und Nadelwälder bedecken zusammen 11 %. 

 Datentabelle zur Flächenbilanz der Biotopgruppen 2012

Auch Vergleiche zwischen den beiden Bestandsaufnahmen aus 2001 und 2012 wurde gezogen, und Veränderungen der Biotoptypenausstattung und des Erhaltungszustandes dokumentiert. So haben z.B. Ruderalflächen von 2001 zu 2012 um über 800 ha abgenommen. Der Schwund bei Ruderalflächen kommt nicht überraschend, da sich diese Biotoptypen naturgemäß innerhalb weniger Jahre in Staudenfluren oder Gebüsche weiterentwickeln oder anthropogen genutzt werden und daher nicht von Dauer sind. Sie waren bei der ersten Bestandserhebung im Jahr 2001 noch als Reste der Minenräumung der 90er Jahre im Grünen Band vorhanden. An Stelle von Ruderalfluren und ungenutztem Grasland finden sich heute vermutlich vielerorts  mesophiles und intensiv genutztes Grünland. Allerdings haben auch Gebüsche (+463,1 ha) und vor allem Wälder (+1.131,89 ha) stark an Fläche gewonnen. Dies ist ein Indiz dafür, dass landwirtschaftlich unrentable Flächen zunehmend aufgegeben und der natürlichen Entwicklung überlassen oder aufgeforstet wurden. Diese Entwicklung ist auch bei den Trockenrasen und Heiden zu beobachten.

Insgesamt sind 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs noch 87 % der Länge des Grünen Bandes weitgehend intakt, d. h. naturnah, und 13% seiner Länge (2.313 ha) so stark beeinträchtigt, dass sie als Lücken im Biotopverbund gewertet werden. 2001 waren sogar noch 15 % der Länge des Grünen Bandes beeinträchtigt. 9.557 ha an Offenlandflächen im Grünen Band sind nach der Roten Liste der Biotoptypen Deutschlands (2006) als gefährdet (Stufe 1-3) eingestuft, davon fallen allein 1.401 ha in die höchste Gefährdungsstufe 1. 

Durch die Identifikation von gefährdeten Lebensräumen und Lücken im Grünen Bands  wird der Weg für den effektiven Schutz und die Entwicklung dieses Biotopverbundes geebnet. Auf Basis der aktuellen Daten konnten auch die naturschutzfachlichen Leitbilder sowie die Erhaltungs- und Entwicklungsziele für die Biotope am Grünen Band angepasst werden. Durch flächenscharfe Maßnahmenempfehlungen wird das Management vor Ort erleichtert. Mit einer zusätzlichen Fotodokumentation aller kartierten Biotopflächen wurde eine zusätzliche Vergleichsgrundlage für ein langfristiges Monitoring der Entwicklung des Grünen Bandes geschaffen. 

Publikationen

  • Geidezis L., Leitzbach D. & Schlumprecht H. (2014): „Aktualisierung der Bestandsaufnahme Grünes Band mit Schwerpunkt der Veränderungen in den Offenlandbereichen“, Endbericht des gleichnamigen F-E-Vorhabens.
  • BUND-Projektbüro Grünes Band (2014): „Handlungsleitfaden für das Grüne Band“, BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V., Nürnberg. 

Laufzeit

1. Mai 2012 bis 28. Februar 2014

Förderprogramm

  • Forschungs- und Entwicklungsvorhaben „Aktualisierung der Bestandsaufnahme Grünes Band mit Schwerpunkt der Veränderungen in den Offenlandbereichen“

Projektträger

BUND Naturschutz in Bayern e.V.

BUND-Projektbüro Grünes Band

Kontakt: Daniela Leitzbach

Fachbetreuung

 Dr. Karin Ullrich, FG II 2.1 Biotopschutz und Biotopmanagement

Weitere Informationen

Logo der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt
Logo der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt
Durch angepasste Pflegemaßnahmen wie hier an der „Wirler Spitze“ im Grünen Band Sachsen-Anhalt (Altmarkkreis Salzwedel), können wertvolle offene Lebensräume wie Sandmagerrasen und Heidestandorte erhalten werde. Auf diesen Flächen finden gefährdete Arten wie die Blauflüglige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) oder die leuchtend rot gefärbte Harlekinspinne (Eresus cinnaberinus) optimale Lebensräume; Foto: Jürgen Starck.

Letzte Änderung: 31.10.2014

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