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Naturschutzgroßprojekt Drömling

Hintergrund

Gräben zählen zu den typischen Landschaftselementen des Drömling; Foto: V. Scherfose
Gräben durchziehen die Landschaft des Drömling

Der nordöstlich von Wolfsburg gelegene Drömling, das "Land der tausend Gräben", ist eines der bedeutendsten Feucht- und Niedermoorgebiete Norddeutschlands. Mit dem Ende 2012 erfolgreich abgeschlossenen Naturschutzgroßprojekt gelang es, einen bedeutenden Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt im Gebiet zu leisten. Der Zweckverband Naturschutzprojekt Drömling als Projektträger konnte u.a. 800 Hektar Ackerland im rd. 10000 ha großen Fördergebiet erwerben und zu Grünland umwandeln, welches nach und nach extensiviert wird. Damit wurde für den Drömling ein sehr anspruchsvolles Ziel der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt in Angriff genommen, wonach in Deutschland "bis 2020 wesentliche Teile der heute intensiv genutzten Niedermoore extensiviert sind".

Darüber hinaus wurden in beispielhafter Zusammenarbeit mit Flurbereinigungsbehörden Flächenarrondierungen vorgenommen, damit bestimmte Teilgebiete im Umfang von ca. 4000 Hektar in naher Zukunft wiedervernässt werden können. Diese Maßnahmen dienen dazu, den Moorschwund zu reduzieren und auf diese Weise auch einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Ergebnisse aus anderen Naturschutzgroßprojekten haben nämlich gezeigt, dass je nach Moortyp durch Wiedervernässungsmaßnahmen eine Freisetzung von bis zu 15 t CO2-Aquivalenten pro ha und Jahr vermieden werden konnte.

Gemeinsam mit dem benachbarten Fördergebiet "Niedersächsischer Drömling" wurden damit in der Region wertvolle Niederungsbereiche mit einem Umfang von rd. 15.000 ha gesichert und entwickelt, die u.a. Bestandteil des europäischen Natura 2000-Schutzgebietssystems sind. Die Ausweisung ausreichend großer Schutzgebiete - auf sachsen-anhaltinischer Seite in Form eines Naturschutzgebietes - und deren Vernetzung sind für die Erhaltung der biologischen Vielfalt von zentraler Bedeutung.

Das Projekt

großflächige Beweidung auf Niedermoorstandorten Foto: V. Scherfose
Rinder auf Weide

Der Drömling zeichnet sich insbesondere durch Feuchtwälder und Feuchtgrünland auf Niedermoor sowie eine Vielzahl von Gräben aus. Das rd. 10.000 ha große Teilgebiet auf der sachsen-anhaltinischen Seite umfasst zudem Abschnitte der Ohre sowie mehrere kleinere Kanäle. Hervorzuheben ist die Bedeutung des Drömling für zahlreiche Zug- und Rastvögel. Zu den schützenswerten Brutvögeln zählen u.a. Weißstorch, Kranich, Großer Brachvogel, Bekassine, Kiebitz, unter den Fischen Schlammpeitzger und Bitterling sowie unter den Amphibien Moor- und Laubfrosch. Unter den zahlreichen bedrohten Wirbellosen-Arten finden sich viele vom Aussterben bedrohte Libellenarten (Südliche und Kleine Binsenjungfer, Speer-, Helm- und Mond-Azurjungfer, Kleine, Große und Nordische Moosjungfer). Zu den stark bedrohten Gefäßpflanzenarten zählen u.a. Pillenfarn, Efeublättriger Hahnenfuß, Moor-Veilchen, Flutende Moorbinse und Draht-Segge.

Das Ziel des Projektes bestand darin, langfristig ein großräumiges repräsentatives Feuchtgebiet mit seiner hohen Bedeutung für zahlreiche gefährdete Pflanzen- und Tierarten zu sichern und zu entwickeln. Dies ist in zwei Förderzeiträumen erreicht worden. Insbesondere wurden dabei Maßnahmen des Flächenerwerbes (mit insgesamt 4.165 Hektar) sowie der Biotop-Optimierung durchgeführt (u.a. Anlage von rd. 100 Flachwassersenken und Kleingewässern, Uferabflachung, Bau von Stau- und Fischaufstiegsanlagen). Außerdem wurden rd. 470 Hektar Waldflächen langfristig aus der Nutzung genommen. Auf der biotischen Ebene konnten bisher u.a. folgende Projekterfolge erzielt werden: Seit Projektbeginn neu eingewandert sind wertgebende Wirbeltiere wie Biber, Seeadler, Schwarzstorch, Wiesenweihe, Schilfrohrsänger, Wachtelkönig, Tüpfelsumpfhuhn und Schlagschwirl. Die Bestände von Kranich, Weißstorch und Fischotter nahmen deutlich zu. An den Flachgewässern kam es zur Neuansiedlung vieler Pionierarten unter den Gefäßpflanzen.

Für das Projekt wurden insgesamt, d.h. über beide Förderzeiträume, 21,3 Mio. € zur Verfügung gestellt, wobei der Bund 15,5 Mio. € und das Land Sachsen-Anhalt 3,4 Mio. € übernahmen. Der Zweckverband Drömling als Projektträger beteiligte sich mit 2,4 Mio. €.


Ausblick

Die im Projekt etablierte beispielhafte Zusammenarbeit des Zweckverbandes Drömling mit Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und anderen Nutzern sowie dem Naturpark gilt es fortzusetzen. So müssen z.B. die eingeleiteten Flurneuordnungsverfahren zügig abgeschlossen werden, damit die geplanten Wiedervernässungen durchgeführt werden können.

In naher Zukunft sollen vom Zweckverband mit Mitteln des Landes und der EU weitere Wanderhindernisse bzw. Schleusen in den Gräben und Fließgewässern für wassergebundene Organismen durchgängig gestaltet werden. Außerdem sollen ehemalige Altarme wieder an die Ohre angebunden werden.

Die im Gebiet eingetretenen und zukünftigen Entwicklungen sollen durch Erfolgskontrollen, u.a. durch fortgesetzte Untersuchungen zur Moor-, Wald- und Grünlandentwicklung, zur Gewässerökologie sowie zur Entwicklung ausgewählter Ziel- und Indikatorarten begleitet werden.

Publikationen

Laufzeit

1. Förderzeitraum Juli 1992 bis Dezember 2003

2. Förderzeitraum November 2008 bis Dezember 2012

Projektträger

 Zweckverband Naturschutzprojekt Drömling
Bahnhofstr. 32
39646 Oebisfelde
Tel.: 039002 / 98310
Fax: 039002 / 98311

Beteiligte Partner

  • BMUB/BfN,
  • Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt,
  • Zweckverband Naturschutzprojekt Drömling mit den Verbandsmitgliedern Altmarkkreis Salzwedel, Landkreis Börde und WWF Deutschland

Fachbetreuung

 Dr. Volker Scherfose, FG II 2.3 "Gebietsschutz/Großschutzgebiete"

Weitere Informationen

Logo der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt
Logo der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt
im Rahmen des Projektes neu angelegte Senke; Foto: V. Scherfose
Senke
Logo "Chance Natur"
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Letzte Änderung: 06.01.2014

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